Doku über Melania Trump: Propaganda ohne Publikum
Die Pseudodokumentation „Melania“ über die First Lady der USA versagt selbst als MAGA-PR. Und erzählt doch viel über die Nähe zur Macht.
„Alle wollen es wissen, also bitte, hier ist es“, sagt Melania Trump zu Beginn der Dokumentation über die 20 Tage vor der zweiten Amtseinführung ihres Mannes. Was genau „es“ sein soll, bleibt auch nach 104 Minuten Image-Film unklar. Dass es tatsächlich „alle“ wissen wollen, lässt sich nach dem Premierenwochenende ebenfalls bezweifeln.
In Berlin läuft der Film am Premierennachmittag im Cinemaxx am Potsdamer Platz, Kino 19. Zwar sind die meisten der 20 Sitze besetzt, allerdings von Menschen, die aus beruflichen Gründen hier sind. Als vor Filmbeginn eine Journalistin in den Raum fragt: „Seid ihr eigentlich auch von der Presse?“, antworten fast alle: „Ja“.
Immerhin: Damit ist die Vorstellung besser besucht als in Boston, wo in riesigen AMC-Kinos zwischen einem und drei Tickets pro Vorstellung verkauft wurden, oder in London, wo für manche Vorstellungen am Premierentag gar kein Ticket über den Tresen gegangen sein soll. Angesichts des angeblich 35 Millionen Dollar hohen Marketingbudgets ist das ein bemerkenswert dürftiges Ergebnis.
In dem Film selbst erfährt man fast nichts über US-Politik, aber immerhin ein bisschen über Melania Trump. So erfahren wir, dass ihr Lieblingslied „Billy Jean“ von Michael Jackson ist. Ein Lied über eine Frau, die behauptet, der Sänger sei der Vater ihres Kindes – was dieser zurückweist, und ihr unterstellt, sie wolle nur reich und berühmt werden. Auch wenn das nicht beabsichtigt ist, darf man dies und die Zeile „the lie becomes the truth“ durchaus als Metakommentar lesen.
An einer Stelle darf man einem Gespräch zwischen Melania Trump und Brigitte Macron beiwohnen. Melania Trump erklärt darin, Kinder in den USA würden täglich bis zu acht Stunden vor Bildschirmen verbringen, und sie setze sich dafür ein, diese Zeit zu reduzieren. Vorbildlich dabei: Diese Dokumentation wird nicht dazu beitragen, diese Bildschirmzeit zu erhöhen.
Ein bescheidender Beitrag zur Präsidentschaft
Man sieht Melania Trump bei der Auswahl von Materialien mit einer Innenarchitektin, beim Arbeiten mit ihrem Designer Hervé Pierre, beim Betrachten von Schnitten und Farben. Es wird ausführlich gezeigt, wie ihre Outfits zur Amtseinführung entstanden – darunter jenes mit dem breitkrempigen Hut, der ihr Gesicht verdeckte und zu Spekulationen führte: Wollte sie eine Mar-a-Lago-typische Schönheitsoperation verdecken oder handelte es sich gar um eine Doppelgängerin?
Ein zentraler Moment soll Nähe suggerieren: Donald Trump übt seine Rede zur Amtseinführung, Melania sitzt im Raum. Sie schlägt ein Wort vor – „Unifier“. Im nächsten Moment sieht man die tatsächliche Amtseinführungsrede und Donald Trump sagt das von seiner Frau vorgeschlagene Wort tatsächlich. Das war es dann aber auch mit Belegen für Melania Trumps Beitrag zur Präsidentschaft ihres Mannes. Ein einziges Wort.
Über ihre Kindheit und Jugend in Slowenien erfahren wir in dem Film so gut wie nichts, was schade ist. Immerhin ist Melania Trump neben Luka Dončić der berühmteste Export Sloweniens, noch vor Slavoj Žižek, Gorenje-Kühlschränken und der Band Laibach.
Am Ende erfahren wir noch, dass Melania Trump am Tag der Amtseinführung 22 Stunden am Stück wach war. Für sie hat sich das gelohnt. Laut dem Wall Street Journal gehen von den 40 Millionen Dollar, die sich Amazon MGM den Film hat kosten lassen, ganze 28 Millionen an sie. Die größte Erkenntnis aus dem Film: Melania Trump hat das Geschäft mit Täuschung, Selbstvermarktung und leeren Versprechen genauso verinnerlicht wie ihr Ehemann.
An einer Stelle im Film wird sogar gezeigt, wie man gedenkt mit Kritik am Film umzugehen: Ein Journalist des Mediums „Puck“ stellt in einer Mail kritische Nachfragen zur Produktion und eine Mitarbeiterin von Melania Trump erklärt, dass sie selbstverständlich nicht wie gewünscht auf die Fragen eingehen werden.
Regisseur in den Epstein-Akten
Der Amazon-Milliardär Jeff Bezos soll den Film laut Wall Street Journal im Dezember 2024 mit Melania Trump in Mar-a-Lago besprochen haben. Bei der großzügigen Finanzierung dürfte eine Rolle gespielt haben, dass ihr Ehemann Donald Trump kurz zuvor die Präsidentschaftswahlen in den USA gewann.
Bezos ist für seine Eingriffe in redaktionelle Prozesse bekannt. Als Eigentümer der Washington Post mischte er sich in redaktionelle Entscheidungen ein, blockierte eine Wahlempfehlung gegen Trump und schränkte das Meinungsspektrum beim Blatt gezielt ein – ein Kurs, der interne Proteste und zahlreiche Kündigungen zur Folge hatte.
Regie bei Melania führte Brett Ratner. Es ist sein erster Film als Regisseur seit 2014, nach einem Karriereknick infolge massiver MeToo-Vorwürfe. Zudem taucht Ratner mehrfach in den Epstein-Akten auf: In einem Foto posiert er neben Epstein selbst, beide mit je einer jungen Frau im Arm.
Angesichts der filmischen Qualität und dieser Personalentscheidung überrascht es wenig, dass zwei Drittel des New Yorker Produktionsteams beantragten, im Abspann nicht genannt zu werden. Auch bei Amazon soll es laut New York Times Mitarbeitende gegeben haben, die nichts mit dem Film zu tun haben wollten – ihnen wurde jedoch mitgeteilt, ein Rückzug aus „politischen Gründen“ sei nicht möglich.
Am Ende stellt sich unweigerlich die Frage, für wen dieser Film eigentlich gemacht ist. Zwar handelt es sich um MAGA-Propaganda, doch ist sie zu matt, um überhaupt zu funktionieren. Nicht einmal den Unterhaltungswert des Reality-Fernsehens erreicht sie – immerhin ein zentrales Machtinstrument Donald Trumps. Das einzige verbliebene Trash-TV-Gefühl ist Fremdscham. Und das über die komplette Dauer des Films.
Filmgewordene Loyalitätsbekundung
Der Film zeigt eine Parade jener Akteure, die sich aktuell bei den Trumps anbiedern, darunter Tech-Autoritäre wie Mark Zuckerberg und Elon Musk. Ermöglicht wurde der Film aber von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Melania ist eine derart offensichtliche Farce, dass sie sich filmkritisch nicht ernsthaft bewerten lässt.
Man sollte dieses Machwerk aber auch weniger als Dokumentation begreifen, denn als filmgewordene Loyalitätsbekundung und Schmiergeldzahlung an die Familie Trump. Geleistet von einem Multimilliardär, dem ein bisschen Faschismus in den USA offenbar lieber ist als die Aussicht auf ein bisschen höhere Steuern. Manche mögen das „Nähe zur Macht“ nennen, in Melania Trumps Heimatland Slowenien spricht man in solchen Fällen schlicht von „Korupcija“.
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