piwik no script img

Diskriminierung bei der WohnungssucheVerräterische Unterschrift

Das Bremer Unternehmen Brebau verweigerte Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Identität Wohnungen. Eine Aufsichtsrätin wusste davon.

Aus Bremen

Lisa Bullerdiek

Der Nebel lichtet sich im Diskriminierungsskandal beim Bremer Wohnungsbauunternehmen Brebau, ein bisschen zumindest: Ein Mitglied des Aufsichtsrats hat von der rassistischen Praxis der Brebau bei der Vergabe von Wohnungen gewusst. Und sie abgesegnet. Genau das hatte Bremens Finanzsenator und Brebau-Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Strehl zuvor ausgeschlossen.

Ein ziemlich eindeutiger Gegenbeweis ist die Unterschrift des Aufsichtsratsmitglieds auf einem strategischen Dokument. Die Brebau-Mitarbeiterin saß damals, im September 2019, noch nicht im Aufsichtsrat, aber hat ihr Wissen darüber mit in das Gremium genommen.

Durch die sogenannte „Zielgruppendefinition“ wurde rassistische Diskriminierung durch die Brebau abgenickt, potenzielle Mie­te­r*in­nen wurden auf Formularen mit Codes markiert: „KT“ stand zum Beispiel für Kopftuch und „E40“ für People of Colour. Bei gleichgeschlechtlichen Mie­te­r*in­nen vermerkte die Brebau, ob es sich bei ihnen um ein Paar handelt. Auf Grundlage der Codes wurden Menschen Wohnungen verweigert.

Vor zwei Wochen waren die Vorwürfe erstmals bekannt geworden. Das haben Radio Bremen, „Panorama“ und Süddeutsche Zeitung gemeinsam herausgefunden, mithilfe eines Informanten.

Staatsanwaltschaft durchsucht Räume

Besonders bitter ist, dass die Brebau seit zwei Jahren komplett der Stadt Bremen gehört. Sinn der Rekommunalisierung war es damals, Wohnungen sozial zu vergeben.

So richtig geklappt hat das wohl nicht, und das trotz der vier Senatsmitglieder im achtköpfige Aufsichtsrat der Brebau. Wer für die Diskriminierung verantwortlich ist, weiß auch niemand so richtig. Aufgabe des Aufsichtsrats sei es lediglich, auf die Bilanzen zu achten.

Die nächsten Tage könnten noch mehr Aufklärung bringen. Die Staatsanwaltschaft durchsucht seit Mittwoch die Räume des Unternehmens. Zwei Wochen, nachdem die Vorwürfe ans Licht gekommen sind. Der Grund ist nicht etwa Diskriminierung, sondern Datenschutzverletzung.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

1 Kommentar

 / 
  • Toto Barig

    "E40"? Kann mir das bitte jemand erklären?