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Die Wochenvorschau für BerlinVon Pazifismus und Auflehnung

Diese Woche treffen sich belarussische Kriegs­dienst­geg­ne­r*in­nen mit friedenspolitisch bewegten Ber­li­ne­r*in­nen. Am Dienstag geht's zum Bundestag.

Aus Berlin

Clara Heuermann

Pazifismus kann einfach sein, wenn man sich vom Berliner Sofa aus durch die Gewaltexzesse in der Welt klickt. Sehr viel schwieriger stellt es sich mit dem Pazifismus dar, wenn man beispielsweise in Belarus gelebt, den Kriegsdienst verweigert hat und so schließlich zur Flucht gezwungen wurde.

Belarussische Kriegs­dienst­geg­ne­r*in­nen, die wegen ihrer Weigerung nach Litauen geflohen sind, und junge, friedenspolitisch bewegte Ber­li­ne­r*in­nen – es sind junge Leute aus denkbar unterschiedlichen politischen Kontexten, die im Rahmen des Projekts „Menschenrechte in Zeiten des Krieges“ einen Einblick in die Lebenswelt der jeweils anderen erlangen.

Vom 4. bis zum 11. Oktober sind die Be­la­rus­s*in­nen zu Besuch in Berlin und treffen dort auf junge Deutsche zwischen 18 und 30 – viel Gelegenheit zum Kennenlernen, zum Austausch und zur Auseinandersetzung mit Demokratie, Krieg und Militarismus. Zusammen besuchen die jungen Erwachsenen das Deserteursdenkmal in Potsdam und das Dokumentationszentrum der NS-Zwangsarbeit.

Am Dienstag dann der Höhepunkt des Projekts: eine gemeinsame Graffiti-Aktion am Bundestag. Vor dem Paul-Löbe-Haus, direkt neben der parlamentarischen Mensa, soll die Graffitiwand aufgebaut werden. Sie soll den belarussischen Kriegsdienst­geg­ne­r*in­nen die Möglichkeit geben, „ihre Gefühle, Bedürfnisse und Ansichten vor dem Bundestag der Öffentlichkeit zu zeigen“, so Co-Organisator Sharaf Eldin.

Die Wirkung des Projekts beschreibt Eldin wie folgt: „Es ist spannend, gemeinsam die Pespektive von Menschen kennenzulernen, die nicht in einer Demokratie aufgewachsen sind und sie nicht als selbstverständlich nehmen und deshalb fliehen mussten.“ In Belarus herrscht der autokratische Präsident Alexander Lukaschenko. Human Rights Watch und Amnesty International prangern seit vielen Jahren massive Menschenrechtsverletzungen an.

Organisiert wird das Ganze aus dem litauischen Exil heraus

Ins Leben gerufen wurde das internationale Jugendprojekt von der Vereinigung für Vernetzung und Partizipation (VVP) und der belarussischen Menschenrechtsorganisation Nash Dom (Unser Haus), die zurzeit aus dem litauischen Exil heraus agiert. Die Lage für regimekritische Organisationen ist prekär in Belarus, Oppositionelle leben in ständiger Gefahr.

Auch für die Unterstützung Russlands beim Krieg gegen die Ukraine wird Belarus international heftig kritisiert. Bisher ist das Land zwar kein aktiver Kriegsteilnehmer, lässt aber die Stationierung russischer Soldaten und Raketen zu und macht gemeinsame Militärübungen. Mit seinem Einsatz für die Rechte von Kriegs­dienst­ver­wei­ge­r*in­nen will Nash Dom nach Angaben von VVP auch die Möglichkeit einer direkten Beteiligung von Belarus verhindern.

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