Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Jungbauer Seehofer fordert „Bayern zuerst“, auch Öko-Merkel bleibt Merkel, türkische Minister auf Reisen und zu guter Letzt: Cannabis.

Horst Seehofer neben Männern in Tracht

Horst Seehofer: irgendwo in Bayern Foto: imago/Lukas Barth

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Beantworte keine Medienanfragen.

Und was wird besser in dieser?

Medien fragen nicht mehr an.

Politischer Aschermittwoch – und CSU-Chef Seehofer fordert „Bayern zuerst“. Geht's noch blöder?

Blöder immer, Söder nimmer: Der virulente Jungbauer durfte nicht ran in Passau, denn wie zuerst auch immer Bayern kommen mag – Häuptling Hotte kommt zuerster. Die bemühte Parallele zu Trump besteht also weniger im nationalistischen Claim und mehr darin, dass hinter diesem Slogan Egomanie versteckt wird.

Seit Martin Schulz Kanzlerkandidat der SPD ist, schmieren die Grünen in Umfragen ab. Ist das bedauerlich?

So viel Wechselstimmung herrschte zuletzt, als es für Mark der DDR Westgeld gab. Oder als Schröder „Danke, Helmut – es reicht!“ proklamierte. Jürgen Trittin, inzwischen der Gandalf der Grünen, übersetzt das in „Merkel-Müdigkeit“ und „Nach zwölf Jahren ist mal gut“. Die Grünen müssen nun ihren jahrelangen Anlauf auf Schwarz-Grün vergessen machen, denn Öko-Merkel bleibt Merkel, da wechselt wenig. Zugleich dürfen sie nicht für Schulz werben, den man sonst grün gesegnet auch direkt wählen könnte. Der Generalbass für den grünen Wahlkampf wäre also die Melodie „Wir oder Merkel“. Muss man vermutlich vor Kretschmann, Göring-Eckardt und Özdemir geheim halten.

Der Welt-Korrespondent Deniz Yücel muss in der Türkei in Untersuchungshaft. In der Konsequenz gab es in vielen deutschen Städten #freedeniz-Autokorsos. ­Funktioniert Ihre Hupe noch?

Solange sich Widerstand regt – und die leise Hupe des Außenministers wiegt hier so lauter wie die lauteren –, müssen die Schergen des Erdoğan-Knasts Yücel so behandeln, dass sie ihn wohlbehalten wieder vorzeigen können. Das ist „bitter“ (Merkel). Noch bitterer wäre, auf ein schnelles Verfahren in der Türkei zu drängen und ihn nach Aburteilung schnell herzubekommen. Es geht um das Recht auf Gesichtswahrung auch für Hackfressen.

Derweil stoppen die Kommunen türkische Wahlkampfauftritte. Recht so? Oder spielt das dem türkischen Präsidenten am Ende in die Hände, wenn es um sein Referendum geht?

Verkürzt: Erdoğans Leute wollen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit hier nutzen, um für deren Abschaffung in der Türkei zu werben. Das muss die Demokratie aushalten. Tut sie aber – in der Türkei – nicht. Noch verbirgt sich die Bundesregierung hinter Hallenbetreibern und lokalen Sicherheitslagen. Wir sind nicht glücklich, wenn Polizeipräsidenten Demos absagen, weil „mit Emotionen und Aggression zu rechnen“ sei. Der Nachbar solcher Begründungen heißt Willkür. Dummerweise verliefen bisherige Auftritte auch friedlich. Das Versammlungsrecht hier gilt für die Hiesigen, das Kern­argument gegen Erdoğan und andere Kabinettsmitglieder ist: Sie sind keine Bundesbürger. Lesen wir diese Gemetzel als Ouvertüre zum politischen GAU: Einreiseverbot für Erdoğan.

Schwerkranke dürfen seit März auf Rezept kiffen. Endlich mal ein Anfang?

Wenn ich die paar interessanten Räusche zurückgeben müsste, um die Freunde wiederzubekommen, die übers Kiffen in psychotische Dauerzustände abgeraucht sind – gern. Nun soll die Versorgung mit medizinischem Cannabis tüchtig beforscht werden, um Risiken und Chancen empirisch zu ermitteln. Das kann böse Überraschungen geben. Sobald allerdings das Zeug von großen Pharmaherstellern synthetisiert werden könnte, wäre es sehr, sehr vernünftig und satt im Markt.

„Moonlight“, nicht „La la Land“: Bei der Oscar-Verleihung sorgten falsche Umschläge für eine Panne bei der Verkündung des besten Films. Bei welcher Eilmeldung der Woche haben Sie auf eine Verwechslung gehofft?

Die „Goldene Kamera“ im ZDF wirkte durchgehend so, als seien ausschließlich falsche Umschläge am Start gewesen. Na ja, nein, es trifft auch immer ein paar Richtige, doch bei der unbeholfenen deutschen Art, festlich sein zu wollen mit ein paar internationalen Stars, die erkennbar um ihre Fassung ringen, täte es auch eine ehrliche Verlosung.

Und was machen die Borussen?

Kevin Großkreutz möchte Respekt von den Medien für seine Familie und sich und mit Profi-Fußball nichts zu tun haben. Viertligist Rot-Weiss ­Essen pflegt eine mindestens so herzliche Abneigung gegen Schalke wie der BVB und hat durchaus mit Profifußball extrem wenig Ähnlichkeit. Ein Jahr Ruhe und dann aber ab nach Essen.

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