Die Woche geht rutschig zu Ende: Kaum Menschen unterwegs
Nahezu überall bleibt es gefährlich glatt. Aber die Tram fährt. Doch Flieger heben nicht ab. Und Strom fällt aus. Immerhin kommen die Kraniche wieder.
Die gute Nachricht: Die Straßenbahn fährt. An diesem frühen Freitagmorgen ist die M10 erstaunlich leer – und sogar pünktlich. Auch alle anderen Bahnen danach sollen laut Fahrplan kommen. Selbst die U5, in den letzten Tagen immer wieder unregelmäßig fahrend, ist im Takt unterwegs.
Dem Weg in die taz steht nichts im Wege – wenn die vereisten Gehsteige nicht wären. Ein schwieriger, mitunter gefährlichen Gang. Hier und da sind die Vermieter ihrer Räum- und Streupflicht mit Splitt, selten mit Sand, nachgekommen, doch meist ist die hauchdünne Eisschicht allüberall so früh am Morgen einfach superglatt. Auffällig ist, dass viel weniger Menschen als für einen normalen Freitag auf Berlins Straßen unterwegs sind. Auch viele ältere Mitmenschen bleiben in diesen Tagen aus Angst vor Stürzen lieber daheim.
Der FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland ruft am Montag (9. Februar) um 11 Uhr zu einer Demonstration vor dem Verkehrssenat Am Köllnischen Park 3 auf, um gegen das allgemeine Fußverkehrs-Chaos und das aktuelle Glätte-Chaos zu protestieren.
Der Einsatz von Tausalz auf Berlins Straßen wurde am Mittwoch wieder verboten. Das hatte das Verwaltungsgericht Berlin in einem Eilverfahren entschieden, nach dem der Naturschutzbund Nabu geklagt hatte. Die von der Senatsumweltverwaltung erlassene Allgemeinverfügung ist damit außer Kraft gesetzt. Diese hatte Privatpersonen erlaubt, Tausalz zur Beseitigung von Eis und Schnee einzusetzen. Die Stadtreinigung BSR hingegen darf Tausalz auch weiterhin gemäß der im Straßenreinigungsgesetz vorgesehenen Ausnahmen verwenden.
Die BSR verteilt auch weiterhin kostenlosen Splitt. Die Abholung ist an sieben Standorten möglich, wie die BSR mitteilt (Hilfsangebot der BSR für private Anlieger:innen mit Streumitteln): am heutigen Freitag von 8 bis 16 Uhr, am Samstag von 8 bis 13 Uhr, und dann am Montag wieder von 8 bis 16 Uhr – doch nur, solange der Vorrat reicht.
Weiter ungemütliches Winterwetter
Das ungemütliche Winterwetter lässt Berlin und Brandenburg nicht los. Schnee und Regen in Verbindung mit Werten um den Gefrierpunkt sorgen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) weiterhin für rutschige Straßen. Eine neue Unwetterwarnung gilt demnach für große Teile Berlins und Brandenburgs. Nur in den südlichsten Teilen der Hauptstadtregion sei die Glatteisgefahr niedriger.
Die schlechte Nachricht: Bis zum Start in die neue Woche bleibt das Wetter nass. Bei leichten Plusgraden von bis zu vier Grad gibt es am Samstag und Sonntag einen Wechsel aus Schneegeriesel, Schneeregen und Sprühregen. Vor allem am Morgen sowie in der Nacht kann dieser laut DWD überfrieren und zu Glätte führen. Dennoch soll sich die Lage langsam entspannen, wie es hieß. In der neuen Woche wird es wieder kälter, dafür aber auch trockener.
Nicht abgehoben
Pech hatte Berliner:innen, die dem Winterwetter entfliehen wollten. Am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld konnten auch am frühen Freitagmorgen – pünklich zum Ende der Winterferien – vorerst keine Maschinen starten. „Aufgrund von Blitzeis und anhaltendem Eisregen sind aktuell keine Starts und Landungen am BER möglich“, teilte eine Sprecherin des Flughafens mit. Der Winterdienst der Flughafengesellschaft habe die Flugbetriebsflächen die gesamte Nacht über mit Enteisungsmittel behandelt, aber ohne Erfolg, sie seien spiegelglatt. Wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden könne, sei aktuell unklar.
„Zum Schutz von Passagieren und Mitarbeitenden ist der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt. Passagiere werden gebeten, ihren Flugstatus vor Anreise regelmäßig zu prüfen“, führte die Sprecherin aus. Aufgrund von Blitzeis waren bereits am Donnerstagabend keine Starts und Landungen möglich.
Sobald der Betrieb wieder aufgenommen werde, könnten die Airlines in der Regel entscheiden, ob der Flug noch heute stattfindet, ausfällt oder verschoben wird, erklärte Sprecherin. Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden soll, ließ sie jedoch offen. „Die Fluggäste werden gebeten, ihren Flugstatus zu prüfen.“
2.200 Haushalte ohne Strom
Im Berliner Nordosten hat es am Freitagmorgen einen Stromausfall gegeben – das weckt bei etlichen Betroffenen schnell üble Assoziationen an den tagelangen Stromausfall im Berliner Südwesten aus Sabotagegründen. Aber dieser Fall liegt wohl anders und dürfte bereits behoben sein.
„Wir haben aktuell eine Störung in Friedrichshain und Prenzlauer Berg“, sagte ein Sprecher vom Betreiber Stromnetz Berlin. Rund 2.200 Haushalte und 135 Gewerbekunden zwischen der Greifswalder Straße und der Landsberger Allee seien betroffen. Nach Angaben des Betreibers soll die Störung bis 8.30 Uhr behoben sein. Zur Ursache sagte der Sprecher zunächst nichts.
Kraniche kehren in Brutreviere zurück
Dennoch liegt ein zarter Hauch von Frühlingsahnung in der Luft. Denn der Frühjahrszug der Kraniche hat begonnen, während wir Menschen in Berlin und Brandenburg noch bibbern. Tausende Kraniche kehren aus ihren Winterquartieren zurück. „Mindestens 10.000 Kraniche sind schon unterwegs“, sagte Nabu-Sprecher Helge May der Deutschen Presse-Agentur. Sichtungen gab es demnach etwa in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Mal sehen, wann die ersten Tiere auch in unserer Region ankommen.
Auf einen Zugstau – bei dem die Tiere vor dem Weiterflug in kältere Regionen abstoppen – deute derzeit nichts hin. „Es ist der Beginn des echten Frühjahrszugs in die Brutreviere“, sagte May. Demnach dürften in den kommenden drei bis vier Wochen insgesamt rund 400.000 Kraniche zurückkommen, vor allem aus Spanien und Portugal, aber auch aus verschiedenen Teilen Frankreichs. Bis nach Nordafrika zögen Kraniche – über Westeuropa – schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr.
Doch die Angst fliegt mit: Nach einem Abflauen der Vogelgrippe in Deutschland könnte das Infektionsgeschehen nach Ansicht von Experten demnächst wieder anziehen. Grund sei unter anderem der Frühjahrszug der Zugvögel, sagte Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut bei Greifswald.
Indessen sind bereits zahlreiche Kraniche, Schwäne und andere Wasservögel in Berlin an der Vogelgrippe gestorben. Zuletzt wurden 14 Wildvögel im Landeslabor Berlin-Brandenburg positiv auf das Virus getestet, wie die Verbraucherschutzverwaltung mitteilt. (mit dpa)
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