bull-analyse: Die Wechselwirkungen von Angebot und Nachfrage
Die taz wird, damit sie von Rostock bis Freiburg und von Aachen bis Cottbus einigermaßen rechtzeitig morgens ausgeliefert werden kann, an drei Standorten gedruckt und auf den Weg durch die Republik verschickt. Der Süden und Westen der Republik von Gießen aus, der Norden und Nordwesten von Pinneberg, Nordost, Berlin und der Osten von Wittenburg aus. 70 Briefzentren des Postzeitungsdienstes und 70 Trägerdienste regionaler Zeitungsverlage und Trägerdienste sind jede Nacht das Ziel, um die taz-Abos in die Briefkästen zuzustellen. Dazu kommen noch Zeitungsgroßhändler und Bahnhofsbuchhandlungen, die für die Verteilung an die Einzelverkaufsstellen beliefert werden. Montags bis freitags werden dafür insgesamt 46.599 Zeitungen pro Tag gedruckt, samstags 70.911. Just in dieser Woche wurden uns von unseren Druckereien die fürs laufende Jahr mit den Papierherstellern ausgehandelten Papierpreise gemeldet. Rund 12 Prozent Preissteigerung sind zu verkraften, die nun in die Druckkosten einzuberechnen sind.
Der Grund für diese deutliche Steigerung: Die Papierindustrie stellt weniger Zeitungspapier her, stattdessen, entsprechend der zeitgenössischen Nachfrage, aber immer mehr Kartonagen für den Versandhandel. Amazon lässt grüßen. Die sinkenden Auflagen der Zeitungen haben zu Betriebsstilllegungen bei den Papierherstellern geführt, die jetzt wieder die Durchsetzung von Knappheitspreisen ermöglichen. Ein Prozess, der nicht geeignet ist, die Stellung der Verlage künftig zu verbessern.
Ähnlich sieht es bei den lokalen und regionalen Zustelldiensten und dem Postzeitungsdienst aus. Die sinkende Nachfrage nach Zeitungen macht die Wege zwischen den Postkästen weiter und teurer, die Durchsetzung des Mindestlohns, nun endlich auch für die notorisch unterbezahlten Zeitungsboten, wirkt in die gleiche Richtung. Und mancherorts wird bereits mangels Masse gleich gar nicht mehr täglich ausgeliefert. Die Konsequenz für unsere Rechnung: Trotz fallender Auflage steigen die Kosten.
Dass die taz damit nicht allein zu kämpfen und zu rechnen hat, kann man an der Entwicklung der Bezugspreise für Abonnements und Einzelausgaben der Zeitungen ablesen. Jahr für Jahr steigen die Preise, um die steigenden Kosten zu kompensieren. Das ist für die Nachfrage bestimmt nicht förderlich. Auch wir können uns dem nicht entziehen.
Ab nächster Woche wird das taz-Abo für die täglich gedruckte taz 2 Euro, für die digitalen Formate und die gedruckte taz am Wochenende 1 Euro im Monat mehr kosten als bisher (siehe Grafik). Immerhin schaffen wir es, auf Distanz zu den marktführenden Wettbewerbern zu bleiben. Und Fakt bleibt auch: Die taz ist jeden Cent wert!Andreas Bull
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