Die Wahrheit: Im Rausch des Blätterwalds
Bei der TomSause in der Berliner taz-Kantine feierte das Publikum ©Tom und war neugierig auf die neuen Zeichner der Wahrheit.
An jenem jetzt schön legendären Aprilabend der TomSause in der Berliner taz-Kantine fehlte eigentlich nur eines: ©Tom wurde mit Lobes- und Dankeshymnen überschüttet, er wurde ein wenig verspottet und reichlich beschenkt, beklatscht und bejubelt, fotografiert und per Stream an die Endgeräte der Zuschauerinnen und Zuschauer übertragen – nur gezeichnet wurde er an diesem denkwürdigen Abend nicht.
Und das, obwohl die Masse an Zeichnerinnen und Zeichnern in der taz-Kantine dichter war als der Stau von Öltankern und Frachtschiffen in der gesperrten Straße von Hormus. Aber die Cartoonisten und Karikaturisten, Illustratoren und Comic-Künstler, die sonst einsam mit ihrem Stift am Zeichentisch werkeln, hatten bei der Riesenparty Wichtigeres zu tun – sich rauschhaft den Getränken hinzugeben und vor allem quasseln bis in die Nacht.
Alle waren sie gekommen, um ©Tom zu huldigen, der nach 35 Jahren als wochentäglicher Streifenproduzent der Wahrheit nun in die Aktivrente geht und nur noch für die wochentaz zeichnet. Und sie waren neugierig auf die Neuen, die ©Tom ab sofort vertreten und nun vorgestellt werden sollten. Routiniert als Conferencier alter Schule eröffnete Kleinressort-Leiter Andreas Rüttenauer im silbernen Jackett die Show. Chefredakteurin Kathrin Gottschalk und Geschäftsführer Andreas Marggraf würdigten ©Toms langjährige Arbeit und dankten dem selbsternannten „Jubilar“ für seine enge Verbundenheit zur taz; der Direktor des Museums für komische Kunst Caricatura in Frankfurt am Main, Martin Sonntag, lobhudelte ©Tom in tarrantineske Höhen; und Wahrheit-Redakteur Michael Ringel erzählte Anekdoten aus dem Leben und Treiben des weitgereisten Wahrheit-Zeichners, auf den an welchem Ort der Welt auch immer zu warten stets eine Freude war.
taz stemmt sich gegen humorlosen Trend in der Medienbranche
Den mit Spannung erwarteten zweiten Teil des Programms übernahm Wahrheit-Redakteurin Harriet Wolff, und von da an wurde es auf der Bühne fulminant bis skurril. Die neuen Zeichnerinnen und Zeichner Dorthe Landschulz, Ruth Hebler, Holger Weyrauch, Oliver Ottitsch und Rattelschneck ließen mit ihren jeweils fünfminütigen Bildershows im Publikum die Lachtränen fließen. Danach war man sich einig, noch neugieriger zu sein, wie und wohin sich die Streifen auf der Wahrheit künftig entwickeln werden. Die anschließende offizielle Staffelübergabe von ©Tom an die Neuen beschloss die gelungene und sehr komische Show zur Streifenwende.
Bei der vor allem eines deutlich wurde, dass sich nämlich die taz gegen einen humorlosen Trend in der Medienbranche stemmt. Allüberall, von der New York Times bis zur Süddeutschen Zeitung, vom Stern bis zum Guardian, werden Karikaturen oder Cartoons abgeschafft und Zeichner entlassen. Die taz hingegen will Neues schaffen und fördert Stifteschwinger, die sich auch deshalb keinem Medium in der Branche so eng verbunden fühlen, wie sich an diesem Abend zeigte.
Altbewährte Kämpen wie Michael Sowa, Hansi Kiefersauer und Kriki oder verdiente Kräfte wie Kittihawk, Katharina Greve und Elias Hauck, um nur einige zu nennen, die sich bei der TomSause vergnügten, bejubelten jedenfalls zum Schluss den Marathonläufer ©Tom lautstark, bevor der Abend ausklang in dem, was man wohl das Rauschen im Blätterwald nennt.
Und eine besondere Würdigung gibt es bald auch noch für ©Tom: Im Frankfurter Caricatura Museum wird 2027 die große „Fast 10.000 Streifen“-Ausstellung zu den touchés stattfinden. Spätestens dann sieht man sich wieder.
Wer die gesamte TomSause noch einmal miterleben möchte, kann dies auf dem taz-Kanal bei Youtube unter: https://www.youtube.com/watch?v=DkhNg37Erv8
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