Die Wahrheit: Diesseits der Donnerkuppel
Holzmedientapeten an allen Ecken und Enden. Wie soll man bloß die vielen überbordenden Papiere und Bücher in der Wohnung loswerden?
M eine Mutter hat mich besucht. Das macht sie gottseidank selten. Als sie ging, habe ich mich gefühlt wie Mad Max: Jenseits der Donnerkuppel. Denn ich bin ein sehr unordentlicher Mensch. Bis heute. Ich glaube, irgendwie wehre ich mich damit immer noch gegen das Ordnungsdiktat meiner Mutter, als ich Jugendlicher war. Gerade eben hat sie wieder mit Nachdruck gesagt: „Bi di find sierben Katten keine Muus!“
Damals war mein Chaos wahrscheinlich ein stiller Protest gegen ihre Akribie, die bis zur Pingeligkeit gehen konnte. Aber seit ich alleine wohne, ohne sie, hätte ich ruhig etwas mehr Ordnungssinn entwickeln können, vor allem weil meine Unordnung mittlerweile mich selber oft genug an den Rand der Verzweiflung bringt.
Es ist bei mir nicht dreckig, es ist nur unordentlich. Und alles, was herumliegt, ist Papier! Papier und Bücher. Es gibt etliche Regale. Meine Mutter hat immer Angst, dass die Decken nicht halten!
Inzwischen nervt es mich selber. Diese ewige, unnütze Sucherei! Diese Papierstapel. Überall Zeitungen, in denen ich vielleicht noch was lesen will, in denen ich was angestrichen habe. Kommentare stehen am Rand. Mal was Gereimtes. Auch auf den Buchseiten. Wäre ich berühmt, würde das alles eines Tages im Literaturarchiv Marbach archiviert werden. Dann wäre es das kreative Chaos eines Literaten! So ist es Unordnung.
Ich hatte die Regel: Bücher dürfen überall sein, Flur, Wohnzimmer, Arbeitszimmer, aber nicht im Schlafzimmer. Mittlerweile stapeln sie sich auch da. Ich habe dann, als meine Mutter weg war, einen Rundgang gemacht durch alle Zimmer. Überall Bücher. Sogar im Flur und im Abstellraum. Meterhoch. Es sind wirklich viele. Deshalb habe ich seit einigen Monaten die Regel: Ein neues Buch, egal ob gekauft oder geschenkt, darf nur noch in die Wohnung herein, wenn ein anderes hinausgeht! Und zwar innerhalb von 24 Stunden.
Und dann fiel mir der Film wieder ein: „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“. Mel Gibson in Bartertown. Mit Tina Turner als Aunty Entity. Und im Thunderdome muss Max kämpfen gegen Master Blaster. Jubelnd skandiert die Zuschauermenge das Motto dieser Arena: „Zwei gehen rein, einer geht raus.“ Im selben Moment der Erinnerung entschied ich, meine Wohnung zum Thunderdome 2026 zu machen.
Ich werde als lesender Mad Bernd künftig noch konsequenter werden: „Einer geht rein, zwei gehen raus!“ Für jedes neue Buch trenne ich mich von zweien, denn es sind einfach viele. Und die meisten habe ich tatsächlich gelesen, manche mehrfach. Einige immer wieder.
Sind es zu viele? Zu viele Bücher geht eigentlich nicht, aber meine Wohnung könnte mehr Volumen haben, wenn sogar mal ein ganzes Regal raus käme. Und dann sagte heute auch noch meine Liebste: „Wer soll das alles eines Tages entsorgen?“ Fast hätte ich gesagt: „Marbach?“
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