Die Wahrheit: Impformationslos in Lettland

Ja, die bürokratischen Hindernisse beim Reisen in Zeiten von Corona sind hoch. Manchmal ist man aber auch einfach nur zu blöd.

Die Briten haben es nicht leicht. Jetzt dürfen sie zwar wieder reisen, aber der Spaß daran wird ihnen vergällt. Callum Beattie, schottischer Unionist, Glasgow-Rangers-Fan und Musiker, ist neulich nach Lettland geflogen. Bei der Einreise ging alles gut, doch dann durfte er das Hotel nicht betreten, das er gebucht hatte, weil der digitale schottische Impfausweis von den lettischen Scannern nicht gelesen werden kann. Aus demselben Grund kam er in kein Res­taurant und konnte sich auch anderswo keine Nahrung besorgen, weil er kein Geschäft betreten durfte.

Nach seinem Wutanfall auf Twitter riet ihm jemand, die französische Impf-App auf sein Handy zu laden und seine persönlichen Impformationen dort einzutragen. Da bekam Beattie erneut einen Wutanfall. „Warum soll ich eine französische App herunterladen“, tobte er, „um eine Flasche Wasser in einem Laden in Lettland zu kaufen, obwohl ich Brite bin?“

Er wollte wissen, ob er der einzige sei, der den Blödsinn dieser Situation erkenne. „Ich habe die Schnauze voll von der schottischen Regierung“, schrieb er, „denn das hätte man uns natürlich auf dem Flughafen sagen müssen, bevor wir ins Flugzeug eingestiegen sind.“ Genau das hatte man. In der App wird ausdrücklich darauf hingewiesen, man solle vor Antritt der Reise einen Blick auf die Webseite der Regierung mit den Richtlinien für die Reise in fremde Länder werfen. Und dort steht, dass Lettland derzeit nur ausgedruckte Impfpässe akzeptiere.

Nun bekam Beattie einen dritten Wutanfall. Man wolle die Bürger und Bürgerinnen des Vereinigten Königreichs spalten, ärgerte er sich. Keineswegs, hieß es seitens der Regierung: Für die englischen Impfpässe gelte dasselbe. Beattie reiste entnervt nach Estland ab.

Fade Sínead

Die Probleme mit den britischen Impfnachweisen löste grenzenlose Schadenfreude in Irland aus – zu Unrecht. Dort geht nämlich auch nicht alles glatt mit den Impfpässen. Irische Namen erscheinen auf den Pässen verhunzt. Der Computer macht aus dem „síneadh fada“, wie der Akzent auf Vokalen heißt, merkwürdige Zeichen, so dass der Impfpass nicht mehr mit dem Reisepass übereinstimmt – und abgelehnt wird.

Ausgerechnet Julian de Spáinn, dem Direktor der Organisation Conradh na Gaeilge, die sich für die Förderung der irischen Sprache einsetzt, ist es so ergangen. Er hieß plötzlich Julian de SpÃ;inn. Und die Irischlehrerin Ciara Ní Chroimín wurde zu Ciara NÃ- ChroimÁ-n.

Dabei ist erst im Juli ein Gesetz verabschiedet worden, wonach jede Behörde irische Schreibweisen wie das „fada“ in ihre Computersysteme und Tastaturen integrieren muss. Ein Politiker der Regierungspartei Fianna Fáil, den Soldaten des Schicksals, bezeichnete das als Pedanterie. Er hat recht. Ohne den Akzent hieße seine Partei Fianna Fail – also Soldaten des Versagens.

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Geboren 1954 in Berlin. 1976 bis 1977 Aufenthalt in Belfast als Deutschlehrer. 1984 nach 22 Semestern Studium an der Freien Universität Berlin Diplom als Wirtschaftspädagoge ohne Aussicht auf einen Job. Deshalb 1985 Umzug nach Dublin und erste Versuche als Irland-Korrespondent für die taz, zwei Jahre später auch für Großbritannien zuständig. Und dabei ist es bisher geblieben. Verfasser unzähliger Bücher und Reiseführer über Irland, England und Schottland. U.a.: „Irland. Tückische Insel“, „In Schlucken zwei Spechte“ (mit Harry Rowohlt), „Nichts gegen Iren“, „Der gläserne Trinker“, "Türzwerge schlägt man nicht", "Zocken mit Jesus" (alle Edition Tiamat), „Dublin Blues“ (Rotbuch), "Mein Irland" (Mare) etc. www.sotscheck.net

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kari

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