Die Wahrheit: Enkeltrick auf dem Campingplatz

Das pralle Sommerleben spielt zwischen Zelten und Wohnwagen – roh, nackt und bloß wie die Familienjuwelen der Camper.

Man glaubt es nicht, aber Hofmanns aus dem Adria-Camper, also da, wo’s rechts zur Fäkalannahme geht, sind wieder auf den Enkeltrick reingefallen. Zum zweiten Mal schon. Und wie habe ich das angestellt? Na, genau wie letztes Jahr: Habe ihnen erzählt, dass unser Enkel zum Rasenmähen kommen wollte, aber wegen einer blöden Schulsache nun nicht kann. Ob sie mir deshalb noch mal ihren Enkel ausleihen könnten. Ich selbst kann ja schlecht. Die Hüfte. Und siehe da: Sie wollen mir ihren Sven gleich schicken.

Die Gattin ist fast so begeistert, als ob ich wieder eine Kiste Bier unter der Supermarktkasse durchgeschoben hätte: „Du gibst dem Bengel aber was fürs Mähen, oder?“ – „I wo. Ich hab abgemacht, dass sie bei Bedarf auch unseren Enkel kriegen.“ – „Aber wir haben doch gar keinen Enkel; dass Hofmanns da nicht irgendwann hinterkommen.“ – „Tja. Hätten sie eigentlich längst müssen.“ – „Wieso?“ – „Weil sie neulich wissen wollte, ob unsere Töchter schon Kinder haben.“ – „Stimmt, da hätten sie’s schnallen müssen: Wenn die eigenen Kinder keine Kinder haben, hat man in der Regel auch keine Enkel. Schön blöd …“

Sie macht plötzlich so Zeichen. „Ach hallo! Da bist du ja schon, Sven. Schön, dass du uns helfen willst. Nimmst dir am besten gleich mal den Rasenmäher, ja? Und dann aber bitte schön gründlich alles hier, auch die Ränder.“

Ich lass mir derweil die Sonne auf die Plauze brennen. Aber die Frau gibt keine Ruhe, ruft mich dauernd. „Ich bin hier! Hinterm Womo in der Sonne! Was’n los?“ – „Ach, da bist du. Such dich schon die ganze … sach mal, geht’s noch? Musst du dich so ganz ohne was an hier so rumlümmeln? Zieh dir mal schleunigst was über, bitte!“ – „Wieso? Sieht doch niemand.“ – „Bin ich niemand?“ – „Natürlich nicht, aber als meine Frau …“ – „… kann mich nichts mehr schrecken, is klar. Und was ist mit den Lucke-Töchtern? Die kriegen doch den Schock ihres Lebens, wenn sie durch die Hecke linsen und du hier nicht nur die Seele baumeln lässt.“

„Hallo? Die Hecke ist blickdicht. Hab sie extra nicht mehr geschnitten.“ – „Genau deshalb suche ich dich ja. Die Hecke müsste dringend mal wieder. Hier, hab die Schere gleich mitgebracht.“ – „Mensch, komm mir jetzt nicht zu nah damit, bitte. Macht mich voll nervös jetzt.“ – „Dann zieh dir endlich was über. Auch oben rum wär nicht schlecht.“ – „Oben rum? Seit wann so prüde?“ – „Mit prüde hat das überhaupt nichts zu tun. Eher was mit Körbchengröße B, die du eigentlich bräuchtest.“

Sonst noch Fragen? Ja, und zwar: Wieso Dieter Mecklenburg aus der Thokie-Wohnkabine zwei Parzellen weiter nächste Woche heiratet, aber seine Braut keine geborene Vorpommern ist? „Häh?“ – „Na, weil sie dann als Paar den besten Doppelnamen ever haben könnten … wie bitte? Boomer-Humor? Und wenn er Nordrhein und sie Westfalen hieße? Ja, ja, schon gut. Doppelnamen sind eh schwer aus der Mode.“

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Seit über 20 Jahren Taz-Autor (Wahrheit), von 2003 bis 2007 Taz-Kolumnist: "herr tietz macht einen weiten einwurf" (Sport). Tietz schreibt, filmt und macht Radio für verschiedene Medien, zuletzt für Neues Deutschland, Frankfurter Rundschau, junge Welt, Jungle World, prinzessinnenreporter.de, konkret und Deutschlandradio. Er ist Redakteur des legendären DRECK-Magazins, telefoniert gelegentlich für Titanic und veröffentlichte bislang vier Bücher. Bis 2002 belieferte er diverse TV-Sendungen mit satirischen Kurzfilmen und fiktiven Reportagen. Von 1987 bis 1992 stand Tietz in Witzdiensten der Satireschrift Kowalski. Davor absolvierte er ein abgebrochenes Theologiestudium (ev.) und war Autor, Schauspieler, Regisseur und Direktor beim Bielefelder Frapp-Theater.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

kari

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