Die Wahrheit: Der Blumenkohl, das höhere Wesen

Eine große schottische Freimaurerloge hat beschlossen, Veganer als Mitglieder zuzulassen. Es gibt da nur ein kleines Problem …

Es gibt viele Gründe, um eine Lachsfarm zu verbieten, zum Beispiel den Schutz der Umwelt und der Meereslebewesen. Ein recht ungewöhnlicher Einspruch hingegen verhinderte eine solche Farm vor der Küste der schottischen Insel Skye. Eine Gruppe namens „Friends of the Eilean Fhlodaigearraidh Faeries“ – die Freunde der Flodigarry-Feen – erklärte, eine Fischfarm gefährde die „Ashrai“.

Das sind Meeresfeen, die Nixen ähneln. Sie leben angeblich bereits seit tausend Jahren vor Skye, und einmal in jedem Jahrhundert kommen sie an die Oberfläche, um im Mondlicht zu baden und dadurch zu wachsen. Lachskäfige wären für sie lebensgefährlich, denn sie würden zur falschen Zeit auftauchen und sofort schmelzen.

Die Wassergeister, die „Blue Men of the Minch“, sowie die „Broobries“ – das sind Wasservögel – seien ebenfalls bedroht, genauso wie die Robben, die in Wirklichkeit „Roanes“ seien, also Wassermänner mit Fischschwanz. Zu guter Letzt kämen auch die Betreiber der Farmen nicht ungeschoren davon, denn die Feen würden sie mit Versprechungen von Gold und Juwelen zum tiefsten Punkt des Ozeans locken.

Die Feenfreunde erwähnten in ihrem Schreiben auch Dunvegan, ein „magisches Wahrzeichen“ von Skye mit einem Feenturm aus dem 14. Jahrhundert, der sogar von Königin Elisabeth II. besucht wurde. Ein „Dun“ ist ein Fort. Ist Dunvegan also ein Veganer-Fort?

Apropos „vegan“: Die Schotten kümmern sich nicht nur um Feen, sondern auch um andere eigenartige Spezies. So hat die große schottische Freimaurerloge vor Kurzem beschlossen, Veganer als Mitglieder zuzulassen. Das Symbol dieses Männerbundes ist seit 280 Jahren das Lamm, weil es Reinheit und Unschuld symbolisiere. Deshalb haben die Freimaurer, zu denen auch der Nationaldichter Robert Burns und der Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle gehörten, bei den Ritualen stets Schürzen aus Lammfell getragen.

Menschen aus Vinyl

Ab sofort kommen aber Schürzen aus Lambine zum Einsatz, einem Lammfell-Imitat aus weichem Plastik. Samantha Calvert, die Sprecherin der Veganer-Gesellschaft, sagte: „Das entspricht dem Gleichheitsgesetz, das festlegt, dass Menschen mit staatlich geschütztem Glauben – wie Veganer – nicht wegen ihres Glaubens diskriminiert werden dürfen.“

Veganer sind demnach eine Sekte. Der Großmeister der schottischen Loge, Charles Iain Robert Wolrige Gordon of Esslemont, sagte, dass „jeder in der Loge willkommen ist, solange er an ein höheres Wesen“ glaube. An einen Blumenkohl etwa?

Nicht alle sind über den Einzug der Veganer in die Logen glücklich. Gordon Kilgour, ein Logenmitglied aus Glasgow, sorgt sich um die traditionelle Ansprache an die Schürze. „Du wirst beachten, dass du aus der Haut eines Lamms gemacht bist“, heißt es bisher. Künftig müsse das wohl lauten: „Dir wird auffallen, dass du aus Vinyl bestehst.“ Die spinnen, die Schotten.

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Geboren 1954 in Berlin. 1976 bis 1977 Aufenthalt in Belfast als Deutschlehrer. 1984 nach 22 Semestern Studium an der Freien Universität Berlin Diplom als Wirtschaftspädagoge ohne Aussicht auf einen Job. Deshalb 1985 Umzug nach Dublin und erste Versuche als Irland-Korrespondent für die taz, zwei Jahre später auch für Großbritannien zuständig. Und dabei ist es bisher geblieben. Verfasser unzähliger Bücher und Reiseführer über Irland, England und Schottland. U.a.: „Irland. Tückische Insel“, „In Schlucken zwei Spechte“ (mit Harry Rowohlt), „Nichts gegen Iren“, „Der gläserne Trinker“, "Türzwerge schlägt man nicht" (alle Edition Tiamat), „Dublin Blues“ (Rotbuch), "Mein Irland" (Mare) etc.

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