Die Wahrheit

O Gummibaum, o Gummibaum

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Diesmal darf sich die geneigte Leserschaft an einem Poem über die Büropflanze Nummer eins erfreuen.

Teil eines Gummibaums

Foto: Imago

O Gummibaum, o Wunderstrauch!

Du bist der schönste Winterbrauch,

bist Krone aller Grüngestecke

und Zierde jeder Zimmerecke.

Du wachst als Bodenpersonal

dort, wo es ohne dich sonst kahl

und bar des Trosts von Atmosphäre

so leer wie vor der Schöpfung wäre.

Dein Kleid lehrt selbst das Tannengrün

die Hoffnung auf ein Dauerblühn.

Dein hehres Glänzen fetter Blätter

trotzt Raumklima wie Schmuddelwetter.

Du stehst seitab im Standesamt,

wenn Liebe offiziell entflammt.

Du tröstest uns in Wartesälen

und lässt uns Robert Habeck wählen.

Du stimmst den Amtmann im Büro

auf dschungelhafte Weise froh

und rankst als Grünstrunk in den Gängen,

wo Kunden an die Schalter drängen.

Wie wirkt da Lorbeer doch verstaubt,

wenn dessen Kränze dürr das Haupt,

das Haar umwinden eines Recken,

statt es mit Ficus zu bedecken.

Dir galt schon Evas erster Traum,

noch lange vor dem Apfelbaum:

Du stehst für Biegsamkeit und Dauer,

bist pflanzlich Konrad Adenauer.

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