Die Wahrheit: Ein Ei von Herzen
Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Heute darf sich die Leserschaft an einem Poem über ein verlorenes Fruchtbarkeitssymbol erfreuen.
Eines Sonntags im August
wandelte ich unbewusst,
lyrisch sinnend durch den Garten.
„Meine Füße lang nicht traten
diese grasbewachs’nen Wege!
Mir will scheinen, etwas Pflege
brächte dieser Wildnis Nutzen!
Nun wohlan, ich werd’ sie putzen!“
Also sprach ich, kniete nieder,
wo ich grad noch stand: beim Flieder.
Und begann sofort zu rupfen
und zu reißen und zu zupfen,
was das Zeug hielt. Und schon balde
prangte eine prächt’ge Halde
ausgerissener Pflanzen kühn
in dem, was noch eben grün.
Meine Augen blickten kahle
Erd’ nun an. Mit einem Male
mischte sich da etwas weiß
und in Forme eines Eis
in das, was ansonsten braun.
Klatsch! Vor meine Stirne haun –
und zwar kräftig! – folgte itzo,
dazu rief ich aus: „Schon schizo-
phren zu sein und ohn’ Verstand,
als ich jenes Ei nicht fand,
welches ich zu Ostern legte
hier ins Gärtchen, Brauchtum pflegte,
dachte ich. Doch nun ist klar,
dass nicht doof ich bin, noch war!“
Ach, mir fiel vom Herz’ ein Stein.
Ich pellte ’s Ei und biss hinein.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt
Stromfresser Künstliche Intelligenz
„Die Energieverbräuche durch KI gehen durch die Decke“
Rechtsextreme Gewalt
Drei Monate Deutschland