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Die Stimme Indonesiens in Hamburg

■ Darf endlich seine Arbeit tun: der verfolgte Autor Pramoedya Ananta Toer

Fast vierzig Jahre lang durfte Pramoedya Ananta Toer sein Land nicht verlassen. Jetzt ist der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Südostasiens zum ersten Mal in Deutschland auf Lesereise.

Der ihm aufgezwungene Lebensweg hätte andere Menschen gebrochen: Seine Bücher waren in Indonesien verboten. Jahrelang wurde er für seine Ansichten verfolgt, inhaftiert oder stand unter Hausarrest. Nie hat er sich jedoch das Wort oder gar das Denken verbieten lassen. Für viele seiner Anhänger ist er der Vertreter eines neuen Indonesiens, der ihnen Mut macht.

1925 auf Java geboren, arbeitete P.A. Toer als Journalist und Kriegsberichterstatter. Während des Unabhängigkeitskampfes gegen die holländische Kolonialmacht erlitt er zwei Jahre Haft. Sein literarisches Debut gab er bereits zu Beginn der fünfziger Jahre, parallel arbeitete er weiterhin als Journalist. Nachdem er 1960 unter Sukarno wegen einer Protestschrift – gegen die Diskriminierung von Auslandschinesen – ein zweites Mal inhaftiert worden war, stellte ihn die sich konstituierende Regierung Suharto im Oktober 1965 unter Arrest. Nach vierzehn Jahren in Gefängnissen und Lagern – ohne Prozeß – entließ man ihn als einen der letzten politischen Häftlinge erst im Dezember 1979 von der Gefangeneninsel Buru. Haus- und Stadtarrest folgten.

Seine autobiographisch gefärbten Rückblicke auf die Kindheit während der Kolonialzeit, die Erzählungen über die nationale Revolution, satirische Skizzen über das unabhängige Indonesien und seine großen historischen Romane waren verboten. Kritik galt unter Diktator Suharto als Majestätsbeleidigung, dreißig Jahre lang herrschte ein anti-intellektuelles Klima. Erst im April 1999, im Zuge der Lockerungen unter Habibie, konnte Toer seine Heimat verlassen. Auf einer Lesereise durch Deutschland stellt er nun Auszüge aus seinem Werk vor.

Die Bücher der Insel Buru, in denen die Washington Post „eine der großen künstlerischen Schöpfungen des zwanzigsten Jahrhunderts“ erkennt, gehören zu Toers bekanntesten Werken. Diese vier Romane konnte er während der Inhaftierung auf Buru zuerst nur seinen Mitgefangenen erzählen, bis ihm gegen Ende der Haftzeit Papier und Stifte zugestanden wurden. Der dritte Band erschien kürzlich auch auf deutsch, mit dem Titel Spur der Schritte. Hieraus wird Pramoedya Ananta Toer in Hamburg lesen, bevor er Günter Grass trifft, der sich wiederholt für seinen 74jährigen indonesischen Kollegen einsetzte. Toer, bereits mehrfach für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen, wird zudem zum Ehrenmitglied des PEN-Clubs-Deutschland ernannt.

Stefanie Heim

am Sonntag, dem 27. Juni, um elf Uhr im Flügelbau des Uni-Hauptgebäudes, Eduard-Siemers-Allee 1

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