: Die Ökobank muss endgültig aufgeben
Schuldenkrise hatte kein Ende. Bankgeschäft wird von – nicht alternativer – Aktiengesellschaft übernommen
FRANKFURT taz ■ Die Ökobank ist als eigenständiges Projekt nicht mehr überlebensfähig. Das gesamte Bankgeschäft soll noch in diesem Jahr von der BAG Bankaktiengesellschaft Hamm, einem Institut des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenkassen, übernommen werden. Das sagte Banksprecherin Bettina Schmoll gestern der taz.
Der Vorstand der Ökobank schnürte bereits ein Maßnahmenpaket und lud für den 30. Juni Genossen und Genossinnen zu einer außerordentlichen Versammlung nach Frankfurt. Einziger Tagesordnungspunkt: die Auflösung der Ökobank. Dann wird auch entschieden, was mit den Einlagen der Bankkunden geschieht. Zeitgleich wird die Hauptversammlung der BAG über die ausgehandelten Übernahmemodalitäten entscheiden. Noch ist offen, ob die BAG die Bankfilialen der Ökobank unter eigenem Namen weiter betreibt oder liquidiert. Im schlimmsten Fall impliziert die Übernahme den Verlust aller Arbeitsplätze im Bankbereich. Unklar ist auch noch, ob die Ökobank ihre nicht an die Bank gebundenen Geschäfte – etwa das Versicherungswesen – eigenständig weiter betreiben kann.
Die Ökobank war 1999 aufgrund geplatzter Großkredite in eine existenzielle Krise geraten. Die Bilanz wies danach einen Verlust von mehr als zehn Millionen Mark auf. Der Beinahe-Crash kostet ausgerechnet Oliver Förster den Job – den Vorstand, der wie kein anderer für das Konzept Ökobank stand. Nur der Sicherungsfonds des Bundesverbandes der Volksbanken und Reiffeisenkassen verhinderte damals die Insolvenz der Bank. Neben dem Bilanzverlust schleppt die Ökobank nämlich auch immer noch Altschulden aus der Gründerzeit (1988) mit sich herum.
Diese verhinderte im vergangenen Jahr eine Fusion mit einer anderen Alternativbank, wie es die Aufsichtsgremien der Genossenschaftsbanken als Ausweg aus der Krise empfohlen hatten. Die spirituell orientierte GLS Gemeinschaftsbank in Bochum war zwar bereit, aktuelle Finanzlöcher bei der Schwesterbank zu stopfen; doch für die Altschulden wollten die Esoteriker aus dem Ruhrgebiet dann doch nicht geradestehen.
Nur kontinuierlich steigende Erträge hätten es den Ökobankern erlaubt, die Altschulden – wie in den vergangenen Jahren – weiter abzubauen. Doch das Gegenteil war der Fall. Die Bilanzsumme schrumpfte: 2000 um 12,7 Millionen auf 366,7 Millionen Mark. Der Bilanzverlust betrug rund 5,5 Millionen Mark. Mögliche andere Partner für eine Kooperation, eventuell auch im Ausland, winkten unter diesen Umständen ab.
„Stay alone“ also. Die Ökobank holte sich im September 2000 einen Topsanierer ins Haus: Wolfram Herath. Der hatte bereits die marode Volksbank im rheinland-pfälzischen Ingelheim wieder flott gemacht. Doch als Herath vor wenigen Wochen den 51-Prozent-Anteil der Ökobank an der lukrativen Aktienfonds-Verwaltungsgesellschaft Ökovision an den Finanzdienstleister Versiko AG verkaufen musste, sagten Insider der Bank das „rasche Ende“ voraus. Zum Verkauf ihrer Anteile war die Ökobank von der Bankenaufsicht der Genossenschaftsbanken gezwungen worden. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf sollte die Ökobank einen Eigenbeitrag zu den Sanierungskosten leisten. Doch der Bank wurde auf diese Weise nur eine sichere Bank für Erträge im Segment Aktien genommen.
Alles aus und vorbei. Die zuletzt 24.000 Anteilseigner (und Kunden) der Ökobank werden sich umorientieren müssen, auch wenn die Bankaktiengesellschaft ihre Filialen weiter betreiben sollte. Die BAG ist zwar auch eine Genossenschaftsbank – aber ganz bestimmt keine alternative. KLAUS-PETER KLINGELSCMITT
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