Die Linke, die CDU und bisschen die SPD: Auslandseinsatz kurz hinter Erfurt

Verletzte beim Interview, Rücktritt nach Absahnen, mutige Schiedsrichter und ein sehr interessantes Angebot gegen Begeisterung.

Susanne Hennig-Wellsow vor Linke-Schild

Hennig-Wellsow plädierte so klar gegen Auslandseinsätze, dass sie nicht mal wusste, welche es gibt Foto: pool/reuters

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Die TV-„Sendung mit der Maus“ ist auch schon 50.

Und was wird in dieser besser?

Zielgruppe lernt das Wort „TV-Sendung“.

Die Linken haben eine neue Führung: Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow. Nach dem Parteitag wurde sich hauptsächlich zu zwei Themen ausgetauscht: Auslandseinsätze der Bundeswehr und Regierungswille der Linken. Ist das wirklich alles, was diese Partei zu bieten hat?

Für Hennig-Wellsow beginnt der Auslandseinsatz kurz hinter Erfurt. Beim ersten Interview mit Tilo Jung stakste sie ahnungslos ins Minenfeld, es gab Verletzte. Sie plädierte so klar gegen Auslandseinsätze, dass sie nicht mal wusste, welche es gibt. Zuvor hatte sie versehentlich die Union „aus der Bundesrepublik … aus der Bundesregierung vertreiben“ wollen. Wissler kreist schon länger um die Machtperspektive; das ist die richtige Theorie zur falschen Realität. 2005 und 2013 hatten R2G im Bund eine Mehrheit, die sie verschmähten. Nun haben sie keine, und die wollen sie nutzen. Das linke Lager zerfällt gern in Sekten; Koalitionsfähigkeit und ein Machtvorschlag sind da atypisch gute Zeichen.

Die SPD hat ihr Wahlprogramm vorgestellt. Saskia Esken sagte dazu: „Respekt ist der Dreh- und Angelpunkt des Regierungsprogramms“. Hartz IV will die SPD zum Beispiel durch ein neues Bürgergeld ersetzen. Haut Sie das vom Hocker?

Das Programm trägt die Unterschrift von Esken, Nowabo und Schulz, die Handschrift einer Werbeagentur und die Überschrift … hm. „Sammeln Sie Punkte?“ wäre hübsch gewesen. Die SPD ist gegen Hartz, immer schon Friedenspartei, neulich war „Klimawandel bekämpfen“ noch Thema Nummer 1. Und mit dem Kernbegriff „Respekt“ werden Widersprüche von Identitätspolitik bis soziale Frage in die Ausschüsse verwiesen. Die SPD hat für jeden Quatsch ne Lösung da, Fluch des langen Regierens und das macht sie ja auch zum unverzichtbaren Machtklempner im grauen Kittel. Für Leute, die zwischen emotionaler Begeisterung und kühler Politik unterscheiden können, ein interessantes Angebot – gegen Begeisterung.

CDU-MdB Nikolas Löbel hat sein Mandat niedergelegt, CSU-Chef Söder fordert seinen Parteikollegen Georg Nüßlein auf, das Gleiche zu tun. Der zeigt sich aber bayrisch obstinat, tritt nur aus der CSU aus und will bis zum Ende der Legislatur im Bundestag bleiben. Und nach einem Millionendeal mit einem CDU-nahen Familienunternehmen steht auch Jens Spahn in der Kritik. Was ist da los bei der Union?

Spahn hatte angekündigt, dass man „einander im Herbst vieles verzeihen“ müsse. Da war noch nicht klar, dass es der Herbst seiner Karriere sein könnte. Sein Haus lancierte einen lukrativen Auftrag ohne Ausschreibung an eine Firma von CDU-Kumpels in Spahns münsterländischem Wahlkreis. Schlimmer Nüßlein und Löbel, die für derlei schmerzlos die Hand aufhielten. Grobe Fouls sind schlimm, doch sich erwischen lassen ist dumm: Nüßlein und Löbel fallen für den FC Bayern langfristig aus. Damit die Grünen bei der Europawahl glänzen, musste der Hambi fast fallen; diesmal gewinnt die Union den Ökos Baden-Württemberg.

Nach langem Hin und Her sollen jetzt die Coronaschnelltests für zu Hause kommen. Diese bringen nur etwas, wenn sie auch korrekt durchgeführt werden. Trauen Sie das der Bevölkerung zu?

Nein, wir pinkeln beim Schwangerschaftstest ja auch alle immer daneben. Okay, es ist ein bisschen Gewürge, sich den Wattestab durch die Nase an den Hinterkopf zu schieben, doch bald werden sich in Familien und Betrieben talentierte Toptester herausstellen, vor denen sich lange Schlangen bilden.

Der Verfassungsschutz darf die AfD vorerst nicht als rechtsextremistischen Verdachtsfall einstufen, entschied das Verwaltungsgericht Köln. Die Zwischenentscheidung wird damit begründet, dass ansonsten in die Chancengleichheit politischer Parteien eingegriffen würde. Funktioniert der Rechtsstaat also?

Ja. Leider. Der Verfassungsschutz war einen Deal eingegangen: Das Vorgehen des Geheimdienstes – geheim zu halten. Eine offenbar völlig absurde Idee bei dem Laden. Ohne der AfD zu viel Ehre antun zu wollen: Ein beherzter Durchgriff gegen eine klar umstürzlerische Partei wäre an jedem Tag vor dem 30. 1. 1933 gut und richtig und sogar heilig gewesen. Damit zu warten, bis AfDler über die Parlamente Einfluss auf die Staatsorgane bekommen, heißt fromm sterben.

Und was machen die Borussen?

Schlagen Bayern, weil der Schiri konsequent Fouls an Haland und Can pfeift. Mutiger Mann.

Fragen: cas, vag

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de