: „Die Demokratie ist in Gefahr“
Leo Haaf, 73 Jahre, Tauberbischofsheim
Tauberbischofsheim in Baden-Württemberg ist ein kleiner Ort mit 13.000 Menschen. Ich war dort sowohl 2024 als auch 2025 auf den Demos gegen rechts.
Politisch bin ich von der christlich-sozialen Linie in Bayern geprägt. Das Erstarken der AfD ist für mich zutiefst beschämend. Wenn ich die deutsche Geschichte betrachte, mit den sechs Millionen ermordeten Juden, kann ich mir nicht erklären, warum so eine Partei Akzeptanz findet. Bei mir ist aus diesem Gefühl der Wunsch nach Engagement entstanden.
Bis letztes Jahr war Tauberbischofsheim eher politisch träge, es gab keine Initiativen. Zum Glück allerdings auch keine von rechts. Trotzdem haben zur Bundestagswahl auch hier 20 Prozent für die AfD gestimmt, sehr nah am bundesweiten Durchschnitt. In unseren Nachbarorten gab es bereits demokratische Initiativen und da dachten wir: Das können wir auch.
Wir haben 2024 unter dem Motto „Tauberbischofsheim bleibt bunt“ eine Kundgebung auf dem Marktplatz organisiert und dieses Jahr hatten wir vier Lichterkettenaktionen. Der Zuspruch war für unsere Verhältnisse konstant sehr gut. Mittlerweile heißen wir anders: Aktionsbündnis für Demokratie und Vielfalt. Wir sind immer noch aktiv. Eine Kerntruppe von etwa zehn Leuten trifft sich monatlich. Außerdem sind wir im Netzwerk gegen rechts Main Tauber organisiert.
Bei unseren Kundgebungen war ein breites Bündnis vom Landrat über Kirchenvertreter, einen Psychotherapeuten bis hin zu Schülersprecher:innen vertreten. So ist die Idee entstanden, mit unseren Anliegen an die junge Generation und an die Gemeinderäte heranzutreten.
Demokratie ist für mich Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Wissenschaftsfreiheit und Teilhabe. Genau diese Demokratie ist in Gefahr.
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