Deutsche Sicherheitskräfte gehen fremd: Grenzschützer helfen Gaddafi
Deutsche Polizisten sollen eigenmächtig libysche Sicherheitskräfte ausgebildet haben. Die Ermittlungen laufen, erste Beschuldigte wurden bereits versetzt.
DÜSSELDORF/BIELEFELD ap/afp Polizeibeamten aus Nordrhein-Westfalen und einem Bundeswehrsoldaten wird vorgeworfen, 2006 in geheimen Auslandseinsätzen libysche Sicherheitskräfte ausgebildet zu haben und dafür Geld genommen zu haben. Wegen dieser Einsätze wird ermittelt, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Donnerstagabend bestätigte. Die acht beschuldigten SEK-Beamten aus Nordrhein-Westfalen sind am Freitag aus ihren Spezialeinheiten entlassen worden. Das Düsseldorfer Innenministerium habe die Entfernung der Beamten aus den Spezialeinsatzkommandos Bielefeld, Köln und Essen verfügt, berichtete das Westfalen-Blatt unter Berufung auf Ministeriumsangaben. Die Männer würden jetzt im normalen Schutzpolizeidienst eingesetzt.
Bundesweit sollen Berichten zufolge mehr als 30 Polizei-, Bundeswehr- und GSG-9-Beamte auf eigene Kasse solche Sicherheitsschulungen in Libyen organisiert oder daran teilgenommen haben. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte am Donnerstag bestätigt, dass in dem Fall gegen einen früheren SEK-Beamten wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses ermittelt werde. Einzelheiten wollen die Strafverfolger am Freitag mitteilen.
Zugleich berichtete das Blatt über weitere Einzelheiten der Affäre. Demnach sollen die deutschen Beamten laut einem früheren deutschen Elitepolizisten in Tripolis eingesetzt gewesen sein. Sie seien nicht nur mit Geld bezahlt worden: "Einige haben auch einen Urlaub in Tunesien bezahlt bekommen", zitierte die Zeitung den Informanten, der nach eigener Darstellung sechs Monate vor Ort war.
Bei der Ausbildung libyscher Spezialkräfte sei "kein sensibles Polizei-Know-how" verraten worden, sagte der Ex-Elitepolizist. "Es ging zumeist um Schießtraining, Personenschutz und Selbstverteidigung."
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