: Deutsche Bank und Nazis
■ Fusion mit US-Bank wohl nicht gefährdet. Welche Banken gaben Kredite für die KZ?
Frankfurt/Dresden (rtr/AFP) – Die Aufdeckung ihres Kreditengagements beim Bau des KZ Auschwitz wird die Position der Deutschen Bank in der Auseinandersetzung um die Übernahme der amerikanischen Bank Bankers Trust nach Einschätzung von Branchenbeobachtern weiter verschlechtern. Die Experten gehen allerdings nicht davon aus, daß die Übernahme an den neuen Erkenntnissen über die Verstrickung der Deutschen Bank mit dem Naziregime scheitern wird.
Die Anwälte jüdischer Holocaust-Opfer wollen erreichen, daß die Übernahme von den Behörden solange blockiert wird, bis die Deutsche Bank in einer milliardenschweren Entschädigungsklage einlenkt, also Entschädigung für den Verlust von Vermögenswerten zahlt.
Bei den jetzt vom Historischen Institut der Deutschen Bank aufgedeckten Krediten gehe es um etwas ganz anderes. Der Jüdische Weltkongreß teilte mit, für die kommenden Tage sei ein Treffen mit Vertretern der Deutschen Bank und der Bundesregierung vereinbart worden. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, sagte am Freitag, ihn wundere die neue Enthüllung nicht. „Wenn man tief genug gräbt, wird man sehen, daß jeder verwickelt war“, sagte er.
Das Hannah-Arendt-Institut, das die Geschichte der Dresdner Bank während der NS-Zeit erforscht, verfügt derzeit über keine Erkenntnisse, daß auch die Dresdner Bank den Bau des Konzentrationslagers Ausschwitz mitfinanziert hat. Die Kontakte der Dresdner Bank zur SS und die Geschäftspraktiken des Geldinstituts in den von Deutschland besetzten Gebieten Osteuropas seien zwar ein „zentraler Punkt der Forschungsarbeiten“, es gebe dazu allerdings noch keine Ergebnisse, sagte der Institutsleiter Klaus-Dietmar Henke am Freitag. Das würde wohl noch zwei oder drei Jahre dauern. Demgegenüber berichtete das Düsseldorfer Handelsblatt am Freitag, außer der Deutschen Bank habe auch die Dresdner Bank Kredite an Firmen gewährt, die am Bau des Konzentrationslagers Auschwitz beteiligt waren.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen