Detektiv-Comic von Emmanuel Moynot

François will Rache

Perspektivlosigkeit als Antriebsmoment: „Der Mann, der sein Leben ermordete“ überzeugt durch erzählerische Rasanz und knackige Dialoge.

Auf der Autobahn kreuzen sich die Wege der Protagonisten. Bild: Edition 52/Emmanuel Moynot

Drei Loser in Bordeaux. François-Frederic Frey, früher ein erfolgreicher Manager, kommt frisch aus dem Knast. Kommissar Kowalski hat es nicht mehr weit bis zur Pensionierung und steckt in einem Karrieretief. Gus Carpate schließlich ist Privatdetektiv. Aber leider kein so cooler Typ wie Philip Marlowe, sondern ein ziemlicher Versager, der tagelang vergeblich auf einen Klienten hofft.

Vom Leben haben diese Männer kaum mehr etwas zu erwarten; daher sind zu allem bereit. François will Rache. Alle, die er für seinen Sturz aus den Höhen der Honoratiorenkreise verantwortlich macht, sollen es bitter büßen. Kowalski kommt durch Zufall einem Fall von Menschenschmuggel auf die Spur. Carpate hilft einer alten Kommunistin bei der Suche nach ihrem verschwundenen autistischen Sohn. Auf einer Autobahnfahrt nach Toulose kreuzen sich die Wege aller Beteiligten – und es gibt viele Leichen.

„Der Mann, der sein Leben ermordete“ beruht auf einem Roman von Jean Vautrin. Die erzählerische Rasanz ist eindrucksvoll, mehr aber noch, wie die Schicksale der zahlreichen Figuren – zu denen unter anderen ein älterer Gendarm und dessen sexbesessene Frau gehören – miteinander verknüpft werden. Der Zufall spielt hier eine große Rolle; aber alles wirkt ganz folgerichtig, nie aufgesetzt. Sehr gut sind zudem die kurzen, knackigen und aussagestarken Dialoge. Die Lehren von Jean-Patrick Manchette, der in den Siebzigern mit seinem Hardboiled-Stil den französischen Kriminalroman erneuerte, beherrscht Vautrin perfekt.

Ein großes Vorbild besitzt, wie man auf den ersten Blick sieht, auch Emmanuel Moynot. Die Physiognomie von François, die nächtliche Stadt im Regen am Anfang des Comics, das Interesse an heruntergekommenen Häusern und alter Architektur, der gewisse Retro-Touch – das alles erinnert sehr an den großen Jacques Tardi. In einem Interview, das im Vorwort zitiert wird, hat Moynot selbst diesen Zeichner als künstlerische „Vaterfigur“ genannt. Dazu passt, dass er seit einigen Jahren, parallel zu Tardi und ganz dessen Stil verpflichtet, begonnen hat, die Nestor-Burma-Romane von Léo Malet in Comic-Form zu bringen.

Dass Moynot ein Epigone sei, kann man nicht von der Hand weisen. „Der Mann, der sein Leben ermordete“ ist allerdings um einiges überzeugender als seine Malet-Adaptationen. Moynot arbeitet mit kräftigen Schraffuren und einer allgemein unruhigeren Strichführung. Auch die Kolorierung ist gelungen: Der düsteren Story angemessen, verleiht sie dem sonnigen Südwesten Frankreichs keine sommerliche Heiterkeit, sondern eine bleierne, vorgewittrige Schwere. So schafft es Moynot letztlich doch, ein Stück weit aus dem langen Schatten seines Idols zu treten.

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