piwik no script img

Der Ort von Erinnerung beleuchtet

2015 flüchtete die kurdische DichterinWidad Nabi aus Syrien nach Berlin.Interview auf den Seiten 46 und 47

Auf dem Weg zu deinem neuen Zuhause

gibt es eine lange Straße der Sehnsucht,

du wirst dort ewig entlanglaufen.

Berührst du das harte Metall

des Busses hier,

wächst dort eine Narzisse

auf dem Metallgriff deiner Haustür.

So bleiben die Häuser ihren

vertriebenen Besitzern treu.

Mitten im Schlaf

wachst du jede Nacht auf.

Der Wasserhahn tropft immer noch

in deiner alten Küche.

Das Leben wird nicht so schlimm,

es schenkt dir ein neues Haus.

Aber deine Seele bleibt ein Wolf,

der jede Nacht heult

auf der Stufe deines alten Hauses.

Auszug aus „Der Ort von Erinnerung beleuchtet“ von Widad Nabi

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 30 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen