piwik no script img

Der Zigarrentöter kommt

■ Peter Fürst, "der rasende Reporter" und schon heute eine lebende Legende, kehrt mit 84 Jahren aus New York nach Berlin zurück und liest am Donnerstag im BE

Peter Fürst ist eine lebende Legende. Der 84 Jahre junge Autor, dessen Erstlingsroman „Der Zigarrentöter – Don Quixote im Exil“ soeben im Hanser-Verlag erschien, ist Hörern des RIAS, WDR oder Südwestfunks wohlbekannt. Seit über 40 Jahren berichtet Peter Fürst als Radioreporter der „Stimme Amerikas“ von den Brennpunkten des Weltgeschehens aus New York: Die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond hat er ebenso sachkundig kommentiert wie Vollversammlungen der Vereinten Nationen und Boxkämpfe im Madison Square Garden in New York.

Begonnen hatte Fürst einst als Sportreporter

Ende der 20er Jahre hatte Peter Fürst als Sportreporter beim Berliner Tageblatt angefangen, wo er so zu schreiben lernte, daß sein Bericht vom Sechstagerennen die Gläser zum Klirren brachte. Als die Nazis ihn und seinesgleichen zu unerwünschten Personen erklärten, setzte er sich vom Grand Prix de Monaco via Marseille nach Madrid ab, wo er als Tennislehrer und Filmassistent arbeitete. Weitere Stationen des Exils waren Wien, wo Peter Fürst am Kaffeehaustisch Reportagen über den Spanischen Bürgerkrieg schrieb, Prag und Paris, von wo aus es ihn in die Dominikanische Republik verschlug.

Deren Diktator hatte 1938 die Grenzen seines Landes für jüdische Emigranten geöffnet, denen die Einreise in die USA damals noch weitgehend verwehrt war. Trujillo schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Er wollte von dem Massaker an 17.000 Haitianern ablenken, das er kurz zuvor befohlen hatte, und mit Hilfe der Juden die rassische Substanz der Dominikanischen Bevölkerung aufbessern – eine Ironie der Geschichte, der Peter Fürst sein Überleben verdankt. 1946 durfte er endlich in die USA einreisen, nachdem er sieben Jahre lang als Reisaufkäufer, Schuldeneintreiber und Cowboy das Innere der Insel durchstreift hatte.

Von seinem Büro im 30. Stock des Federal Plaza Building blickt Peter Fürst auf das Auto- und Menschengewimmel des Broadway hinab und denkt dabei vielleicht an die Berliner Kaiserallee, heute Bundesallee, wo er 1910 geboren wurde und demnächst seinen Roman vorstellen wird, den das Leben schrieb: die Geschichte eines jüdischen Schelms, der durch die Katastrophen des 20. Jahrhunderts irrt, bewaffnet mit Chuzpe und Ironie, ohne Selbstmitleid und ohne Haß. Hans Christoph Buch

Peter Fürst liest am 17. November um 20 Uhr auf der Probebühne des Berliner Ensembles, vorgestellt wird er von H.C. Buch.

Weitere Lesungen finden am 18. und 21. November in „Thaers Bücherstuben“ sowie in „Wolff's Bücherei“ auf der Bundesallee, 19.30 Uhr bzw. 20 Uhr statt.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen