■ 400 Kilogramm Bronze: Der Umgang mit Helden
Plastiken oder Statuen auf öffentlichen Plätzen oder in Parkanlagen scheinen in Deutschland die Lust an Zerstörung zu wecken, zumal wenn sie als Denkmal verwendet werden. Zumindest die farbliche Gestaltung erfährt im Laufe der Jahre zahlreiche Varianten. Ganz anders in Frankreich.
Die Bronzefigur des Tambour d'Arcole steht in Cadenet, einem kleinen, verschlafen wirkenden Nest in der Provence zwischen Durance und dem Luberon. Touristen verlaufen sich kaum dorthin.
Aber die deutschen Soldaten hatten sich dorthin verlaufen vor 50 Jahren, 1943. Im Rahmen einer großangelegten Kampagne zur Requirierung von Nichteisenmetallen sollte die Skulptur eingeschmolzen und das Material in der deutschen Kriegsindustrie Verwendung finden. Welch Sakrileg. In Cadenet verehrt man seine Helden, seit ein Kind des Städtchens, André Estienne, am 15. November 1796 14jährig an der Spitze napoleonischer Grenadiere an der Brücke von Arcole dem Feind aus Italien engegenstürmte. Ein halbes Jahr später war André Estienne, der für wenige Minuten die Anonymität der 166 napoleonischen Schlachten durchbrach, gefallen. Nach Napoleons Niederlage mußten sich die Bewohner 75 Jahre gedulden, bis 1894 das Denkmal für ihren Helden, den Tambour d'Arcole, eine Bronzeplastik des Bildhauers Jean Lamy, auf dem Place du Portail aufgestellt wurde. Während sich die Einwohner hinter dem Rücken der Besatzer noch empörten, machten sich in der Nacht vom 4. auf den 5. September 1943 eine Handvoll junger Männer daran, die 400 Kilo schwere Bronzeskulptur zu stehlen und zu vergraben. Suchaktionen der Polizei blieben erfolglos. Der kleine Trommler tauchte erst nach der Befreiung wieder auf und trommelt heute an seinem Platz als Symbol des Widerstandes gegen die deutsche Besatzungsmacht. ph
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