Demonstration in Moskau: Kreml-Gegner festgenommen
Auf einer ungenehmigten Demo für Versammlungsfreiheit sind in Moskau rund 100 Oppositionelle vorübergehend festgenommen worden. Darunter auch der Leiter von "Memorial", Oleg Orlow.
MOSKAU afp | Rund hundert Oppositionelle sind bei einer Kundgebung für die Versammlungsfreiheit in Moskau am Sonntag vorübergehend festgenommen worden. "Alle festgenommenen Demonstranten sind wieder frei", sagte ein Sprecher der Oppositionsbewegung Solidarnost am späten Sonntagabend dem Radiosender Moskauer Echo. Alle müssten am 4. Februar wegen Missachtung des Versammlungsrechts vor einem Richter erscheinen.
Dutzende Sicherheitskräfte hatten zuvor die ungenehmigte Kundgebung mit 200 bis 300 Teilnehmern auf dem Triumfalnaja-Platz im Stadtzentrum aufgelöst, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Unter den Festgenommenen waren mehrere prominente Oppositionelle wie Boris Nemzow und Eduard Limonow und der Leiter der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, Oleg Orlow.
Nemzow sagte nach der Festnahme, er befinde sich in einem Gefängnis-Kleintransporter, der voller Demonstranten sei. Nemzow hatte im April vergangenen Jahres bei der Bürgermeisterwahl von Sotschi kandidiert, wo 2014 die olympischen Winterspiele stattfinden sollen. Gesiegt hatte der Kreml-treue Amtsinhaber Anatoli Pachomow von der Partei Einiges Russland.
An jedem 31. eines Monats mit 31 Tagen demonstrieren die Opposition und Menschenrechtler auf dem Platz, um an den Artikel 31 der Verfassung zu erinnern, der das Versammlungsrecht schützten soll. Die Moskauer Behörden weigern sich standhaft, die Kundgebung zu erlauben, und lösen sie oft gewaltsam auf. Am 31. Dezember 2009 war bei einer Demonstration die 82-jährige russische Menschenrechtlerin und ehemalige Dissidentin Ljudmila Alexejewa festgenommen worden.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert