: Das neue Sexualverhalten unserer Teenies
■ Treue hoch im Kurs
Treue hoch im Kurs
Hamburg (dpa) — Romantik und Treue sind bei jungen Menschen wieder hoch im Kurs. Weniger Partnerwechsel, mehr Zärtlichkeit und Liebe sowie eine erheblich verbesserte Schwangerschaftsverhütung — das sind herausragende Merkmale des veränderten Sexualverhaltens Jugendlicher im Vergleich zu 1970. Dies ergab eine Studie Hamburger Sexualwissenschaftler um Prof. Gunter Schmidt vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf. Danach wird beispielsweise das Kondom stärker akzeptiert als noch vor zwei Jahrzehnten. Außerdem sind homosexuelle Kontakte seltener geworden.
Die Wissenschaftler hatten für ihre Untersuchung jeweils eineinhalbstündige Interviews mit insgesamt 687 Jugendlichen im Alter von sechzehn und siebzehn Jahren in Hamburg, Frankfurt am Main und Leipzig gemacht, sagte Prof. Schmidt am Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse. Sie zeigten auch eine bemerkenswerte Änderung bei der Einstellung der Eltern zur Sexualität ihrer Kinder. Vier Fünftel der Jungen und Mädchen mit sexuellen Erfahrungen sagen, daß sie mit ihrer festen Freundin oder ihrem festen Freund „so oft wir es wollen“ bei einem der beiden zu Hause ungestört zusammen sein könnten, also auch mit Einwilligung der Eltern.
Laut Schmidt ist die zunehmende Verwendung des Kondoms keine direkte Folge der Bedrohung durch Aids. Vielmehr komme darin ein generell verbessertes Verhütungsverhalten Jugendlicher zum Ausdruck. Allerdings hätten die Aufklärungsbemühung zur Aids-Vorbeugung wohl mit zur allgemeinen Akzeptanz des Kondoms beigetragen. Auch der Trend zur festeren Partnerbindung, zur Romantik und zur Treue sei eine schon seit langem zu beobachtende Entwicklung, unabhängig von Aids.
Unterschiede zwischen Deutschland Ost und West gibt es laut Untersuchung nach wie vor. Mädchen in den neuen Bundesländern sind sexuell aktiver. Die Jungen im Westen sind dafür romantischer in der Liebe. Die Jugendlichen in den alten Bundesländern beschäftigen sich mehr mit dem Thema Gewalt gegen Frauen und Diskriminierung. Die Gewalterfahrungen der Mädchen in Ost und West sind dennoch gleich: Etwa zwei bis vier Prozent haben massive sexuelle Gewalt erlebt.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen