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„Das ist heute meine110. Mahnwache“

Haft Ronald Wendling protestiert weiter gegen Putin trotz Begnadigung der Pilotin Sawtschenko

Ronald Wendling

57, war selbst politischer Gefangener in der DDR. Er hatte angekündigt, für eine Ausreisegenehmigung zu demonstrieren.

taz: Herr Wendling, seit eineinhalb Jahren protestieren Sie jede Woche vor der russischen Botschaft für die Freilassung der ukrainischen Pilotin Nadija Sawtschenko. Nun wurde sie begnadigt. Warum stehen Sie hier noch?

Ronald Wendling: Es geht mir um alle politischen Gefangenen, die aus der Ukraine verschleppt wurden und in Russland inhaftiert sind. Und nicht nur um die bekannte Kampfpilotin, die durch den Gefangenenaustausch freikam. Nach meinen Informationen gibt es 31 weitere aus der Ukraine Verschleppte, die in Russland in Haft sitzen.

Je nachdem, wie politische Gefangenschaft definiert wird, variiert die Anzahl der Gefangenen. Woher haben Sie Ihre Informationen?

Es gibt nur wenige Informationen im Internet, und die sind meistens auf Ukrainisch. Weitere Gefangene sind zum Beispiel: Oleg Senzow und Alexander Koltschenko. Meine Infos habe ich von unterschiedlichen ukrainischen Organisationen. Zudem unterstützt mich eine Ukrainerin, die zu einer meiner letzten Mahnwachen gekommen ist. Sie fährt bald nach Kiew und besorgt mir Fotos der Verschleppten.

Was haben Sie damit vor?

Ich möchte sie hier vor der russischen Botschaft in Großformat platzieren. 21 Fotos habe ich bereits. Wie ich aber genau weiter demonstrieren werde, weiß ich noch nicht.

Pilotin Nadija Sawtschenko

Die Freilassung: Die ukrainische Kampfpilotin wurde am Mittwoch von Präsident Wladimir Putin begnadigt. Sie war wegen Tötung russischer Journalisten von einem Gericht im März zu 22 Jahren Haft verurteilt worden. Nach fast zwei Jahren Haft wurde sie entlassen.

Der Gefangenenaustausch: Ebenfalls am Mittwoch wurden zwei russische Militärs vom ukrai­nischen Präsidenten Petro Poroschenko begnadigt. Genaueres zum Austausch ist nicht bekannt.

Gibt es einen persönlichen Grund für Ihren Protest?

Ja. Ich war selbst als politischer Gefangener in der DDR inhaftiert. Ich wollte nie zur Armee und bin pazifistisch eingestellt. Ich bin hier, um politische Gefangene zu unterstützen. Es ist wichtig, dass wir Menschen den Insassen zeigen, dass sie nicht vergessen werden. Ich stehe jeden Donnerstag von 13 bis 16 Uhr hier vor der Botschaft. Das ist heute meine 110. Mahnwache.

Interview Sophie Schmalz

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