Das WM-Teil XXI

Es merkelt über Rio

Auch die deutsche Politik versucht den Sport zu instrumentalisieren. Angela Merkel erobert dabei das ureigenste Heiligtum der Brasilianer.

Bild: reuters

Sport ist Politik. Bisher dachte man allerdings, diese alte Weisheit treffe nur auf das Gastgeberland Brasilien zu. Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass auch deutsche Politiker versuchen, den friedlichen Sport für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Deutschland will wieder Großmacht sein – und wo lässt sich diese Botschaft unauffälliger platzieren, als in der heilen Welt des Fußball-Taumels?

Perfide nutzte Bundespräsident Gauck schon im Juni die Fußballbegeisterung der Deutschen, um sie auf die neue außenpolitische Linie einzustimmen: „Die Deutschen müssen sich früher, entschiedener und substanzieller einbringen.“ Schon damals fragten sich viele: Redet dieser Mann wirklich noch vom Fußball?

Und nun das: Kanzlerin Merkel inszeniert sich als neue Siegesgöttin über Rio. Lange wurde ihr vorgeworfen, stets nur rautenförmig die Hände in den Schoß zu legen, nun tritt sie den Gegenbeweis an: In einer für Merkel ungewöhnlichen Machtdemonstration inszeniert sich die Kanzlerin als Erlöserin von Rio? Steht nun zu befürchten, dass nun auch die Brasilianer unterworfen werden, wie es die deutsche Politik bereits in Griechenland getan hat? Werden die Deutschen gar Truppen an die Copacabana entsenden?

Nein, heißt es Insider-Kreisen, die Kanzlerin wollte nur endlich mal so richtig die Sau rauslassen. Einmal brasilianisch jubeln: Stolz, natürlich, unverkrampft – ihre Jubelärmchen sprechen Bände. Lass mal, Angie, könnte man erwidern, so wird das nicht: Dann doch lieber wieder Selfies mit nackten Spielern in der Umkleidekabine.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben