■ Holland will für Abschiebehäftlinge eine Gesichtsmaske: Das Schweigen der Asylbewerber
Amsterdam (taz) – Das holländische Justizministerium plant eine fast unglaubliche Aktion: Wie das Algemeen Dagblad meldete, sollen künftig abzuschiebende Asylsucher eine spezielle Gesichtsmaske tragen. Bislang kennt man derlei nur von Eishockey-Torhütern und aus dem Film „Das Schweigen der Lämmer“. Dort muß der psychisch gestörte Mörder „Hannibal the Cannibal“ eine Maske tragen, weil seine Bewacher sich damit vor Beißattacken schützen wollen.
Diesmal geht es jedoch nicht um die Abwehr mörderischer Gefahren. Der Hintergrund ist folgender: Ein rumänischer Asylbewerber klagt gerade vor einem holländischen Gericht auf einen Schadensersatz von 250.000 Gulden, weil er vor zwei Jahren auf dem Flughafen Schiphol irreversible Verletzungen erlitt. Der Rumäne hatte sich gewaltsam und lautstark seiner Abschiebung widersetzt, worauf die Beamten ihm mit Klebeband den Mund verschlossen. Der Mann geriet in Atemnot, sein Herz blieb stehen und wurde dauerhaft geschädigt. Heute ist er ein im Rollstuhl sitzender Invalide.
Unterdessen bestätigte laut Algemeen Dagblad der Parlamentarier und Exrichter B. Dittrich die Entwicklung der Maske: „Man vergleicht die Maske mit der für Hannibal the Cannibal aus ,Das Schweigen der Lämmer‘. Ich habe aber den Eindruck, daß das Justizministerium bei der Entwicklung der Maske redlich verfährt.“ Bislang aber verweigern sowohl das Justizministerium als auch das beauftragte Institut jeglichen Kommentar. Die Flüchtlingshilfsorganisation Vluchtelingen Werk Nederland lehnt die Verwendung der Maske ab. Auf dem Flughafen Schiphol kam es in der Vergangenheit mehrfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Beamten und Abschiebehäftlingen. Handschellen sollen dabei ebenso eingesetzt worden sein wie Tragegestelle, auf denen die Häftlinge festgeschnallt und weggetragen wurden. Immerhin ist es bislang in den Niederlanden nicht erlaubt, Häftlinge mit Spritzen ruhigzustellen. Falk Madeja
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