Das Portrait: Ein überzeugter algerischer Laizist
■ Abdelhak Benhamouda
Eine der herausragendsten Persönlichkeiten des laizistischen Algeriens ist tot. Abdelhak Benhamouda trat am Montag nachmittag aus der im Zentrum Algiers gelegenen Zentrale des Gewerkschaftsverbandes UGTA, deren Vorsitzender er seit 1990 war, als ihn die tödlichen Kugeln trafen. Neben ihm verblutete einer seiner beiden Leibwächter, der andere wurde schwer verletzt. „Kamel, Bruder, man hat uns verraten“, flüsterte Benhamouda noch einem Gewerkschaftskollegen zu, bevor er in dessen Armen starb.
Worte, die Algeriens Öffentlichkeit aufrütteln. Wen hatte Benhamouda gemeint? Ein islamistisches Kommando oder ein Komplott von Teilen der herrschenden Klasse, die seinen Weg an die Macht stoppen wollten?
Das Leben des streitbaren Gewerkschafters und Arabischlehrers gibt für beide Vermutungen Anlässe genug. In Benhamouda hatte die Islamische Heilsfront (FIS) einen ihrer entschiedensten zivilen Gegner gefunden. Als die Islamisten 1991 die ersten freien Parlamentswahlen gewannen, forderte Benhamouda an der Spitze des „Komitees zur Rettung Algeriens“ ein Eingreifen des Militärs. Der Putsch kam, und der UGTA-Vorsitzende zog weiter an den Fäden der Macht. 1994 wirkte er daran mit, den damaligen Verteidigungsminister General Liamine Zéroual zum Präsidentschaftskandidaten des Regimes aufzubauen. Der Weg auf die schwarze Liste der radikalen islamistischen Kommandos war vorgezeichnet. Zweimal überlebte er Anschläge auf sein Leben. Am Montag war ihm das Glück nicht mehr hold.
Vor zwei Monaten hatte Benhamouda angekündigt, die Gewerkschaft zu verlassen, um eine Partei zu gründen. „Die Partei des Präsidenten“ – wie die Presse das Projekt taufte – sollte bei den für diesen Frühsommer geplanten Wahlen die Macht im Parlament absichern.
Doch der UGTA-Chef hatte auch mächtige Gegner im eigenen Lager. Er war es, der die beiden einzigen Generalstreiks des Landes anführte und die durch den IWF aufgezwungene Restrukturierung der Wirtschaft sowie die Privatisierung von Staatsbetrieben zu bremsen versuchte. Vor allem der Nationale Verband der Mudschaheddin, die Veteranen des Befreiungskrieges gegen die französische Kolonialherrschaft, verziehen ihm das nie. Die „Verräter“ könnten deshalb auch aus diesen Reihen kommen. Reiner Wandler
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