: Das Ende eines Ökotops
■ Warum auf einer Tiefgarage nicht alles wachsen darf, was will
Das Bremer Ostertor ist mit Beton geschlagen. Kaum ein Nischelein, wo es grünt und blüht, kein Schmetterling, der sich zwischen die Häuser verflattert, und für Maulwurf Grabowski ist das Viertel Sperrgebiet. Grund genug für beamtete und private Ökologen, über „Entsiegelung“ und „Begrünungsmaßnahmen“ nachzudenken. Motto: Nur begrünter Beton ist guter Beton. Ganz privat wurden zum Beispiel AnwohnerInnen in der Albrechtsstraße aktiv. Die wohnen mittenmang in neuen, von der Bremischen erbauten Häusern und haben hinten raus den Blick auf eine Tiefgarage. Und auf der Tiefgarage hat die Bremische ein paar Rabatten angelegt. Niedrigwuchernde Krüppelkiefern, kleines Buschwerk und viel Mutter Erde. So rein gar nichts für das Ökoherz. Also griffen die AnwohnerInnen zur Hilfe durch Selbsthilfe und pflanzten alles, was das Naturherz begehrt. Und es wucherte und blühte und vermehrte sich, daß es eine Freude war. Bis Mittwoch morgen: Da kamen zwei Gärtner mit Hacke und Spaten, jäteten, was das Zeug hielt und fuhren mit der Karre das ganze schöne Naturgrün ab, und ließen sich von ihrem frevelhaften Tun auch nicht durch die Proteste der Hobbygärtner abbringen. Und gestern abend war dann aus dem Ökonischelein wieder ein Friedhof geworden. „Nur die Kreuze fehlen“, schimpfte eine Anwohnerin.
Bei der Bremischen gibt es einen Herrn Friedrich Dunke, und der ist bei der Wohnungsbau-Gesellschaft zuständig „für alles, was grünt und blüht“. Und der ist stolz darauf, daß sich in seinen Grünanlagen Eichhörnchen und Eßpilze wieder angesiedelt haben, ein Gärtner, der sehr genau weiß, daß das Wort „Unkraut“ out ist und der deshalb von „Pflanzen, die da nicht hingehören“ spricht. Und wildes Grün aller Arten, das darf zwar an Bahndämmen wuchern, aber nun mal nicht auf einer Tiefgarage: „Da darf nicht alles wachsen, was wachsen möchte“ und zwar mit gutem Grund: Denn wie jeder schlechtere Ökologe weiß, wird die hohe Schadstoffbelastung der Luft über den Regen an die Pflanzen weitergegeben. Und die wiederum, sagt Dunke, konzentrieren den Säuregehalt in der Wurzel, und diese wachsen wild und tief bis direkt zur Folie durch, die das Dach der Tiefgarage schützt. Und ratz, fatz ist die Folie durch, die Decke naß und die in der Tiefgarage parkenden Anwohnerautos voller häßlicher Kleckse. Und das will dann auch keiner haben. Und weil der Gärtner ein netter Mann ist, bietet er allen AnwohnerInnen das Gespräch an, und da könne dann gemeinsam überlegt werden, was geht und was nicht. Denn: „Ökologisches Stadtgrün setzt hohe Sachkenntnis voraus.“ hbk
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen