Der Ticketschalter der Messe Berlin ist geschlossen.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Das Coronavirus und der Tourismus:Stille in der Traumfabrik

Jets am Boden, leere Hotelzimmer, abgesagte Messe: Die Reisebranche ächzt unter den Virus-Folgen. Eine Reise nach Berlin, Durchhalteparolen inklusive.

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5.3.2020, 18:31 UHR

Es hätte so werden sollen wie in jedem Jahr im März. Schieben und Gedränge auf 170.000 Quadratmetern, große und kleine Stände, tonnenweise Prospektmaterial, Gewinnspiele, Traum­urlaub. Auf dem größten Marktplatz der internationalen Reiseindustrie hätten sich in 26 Hallen unter dem Berliner Funkturm rund 10.000 ausstellende Organisationen und Unternehmen aus mehr als 180 Ländern präsentieren können. Asien, Indien, die arabischen Länder, Frankreich und Rheinland-Pfalz – bunt, stereotyp, folkloristisch, immer größer, digitaler, internationaler und auf jeden Fall vornedran. Eine Leistungsschau der Superlative – das wäre die Internationale Tourismusbörse (ITB) geworden. Im letzten Jahr ergab das einen Umsatz von 7 Milliarden Euro, 160.000 Besucher waren an fünf Messetagen für dieses Jahr erwartet worden.

Hätte, wäre, könnte. Vier Tage vor der geplanten Eröffnung wurde die Messe abgesagt. Coronavirus-Alarm in Deutschland. Das ist nicht nur für die Messegesellschaft und die Aussteller ein enormer finanzieller Verlust. Der Geschäftsführer des offiziellen Berliner Reiseportals „Visit Berlin“, Burkhard Kieker, rechnet für die Hauptstadt mit Ausfällen mindestens im höheren dreistelligen Millionenbereich. Die genaue Summe müsse noch ermittelt werden.

Betroffen sind nicht nur Hotels, sondern auch Veranstaltungsorte und Kultureinrichtungen, wo abends feuchtfröhlich Get-together gefeiert werden sollte. Bitter auch für die Berliner Taxifahrer: Die ITB ist für sie das Geschäft des Jahres. Aber auch Catering-Firmen und Restaurants klagen über erhebliche Einbußen.

Sie waren fast alle bereits angereist, als die Messe kurzfristig abgesagt wurde – die 34 Veranstalter aus zehn afrikanischen Ländern, die sich nun spontan zu einer kleinen Tourismusmesse zusammengefunden haben, sogar einer sehr kleinen im Vergleich mit dem gecancelten Riesen­event.

Im Hinterhof statt auf der internationalen Messe

Die Veranstaltung findet in zwei großzügigen Räumen im Hinterhof einer Sprachschule im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg statt. Selbstgeschriebene Wegweiser, wenige großformatige Tier- und Naturplakate, ein Video, das in der Dauerschleife die Schönheiten Afrikas präsentiert – das sinnliche Verkaufsargument ist bei dieser Mini-ITB wenig ausgeprägt. Als kleine Afrika-Zitate finden sich allenfalls ein Holzrhinozeros auf einem der Ausstellertische oder eine bunte Perlenkette neben den obligatorischen Gummi­bärchen.

Organisiert hat das Branchentreffen David Heidler, Geschäftsführer von Akwaba-Reisen aus Leipzig. Im taubenblauen Businessdress wickelt der große blonde Afrikareise-Spezialist Geschäfte mit den „erstaunlich zahlreich gekommen Besuchern“ ab, wie er sagt. „Das ist alles aus der Not heraus entstanden. Aber wir wollten unsere afrikanischen Partner, die ein Heidengeld für die Reise ausgegeben haben, nicht im Stich lassen“.

Ein Virus reist um die Welt und lähmt das Tourismusgeschäft. Es kratzt am globalen Zuckerguss dieser Wachstumsbranche. Um die 10 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts werden mit diesem Geschäft generiert. Tourismus steht für 10 Prozent der weltweiten Arbeitsplätze. Tourismus mobilisiert damit verbundene Wirtschaftszweige wie die Automobilindustrie, den Wohnungs-, Straßen-, Schiffs- und Flugzeugbau, die Verpflegungs-, Souvenir- und Landkartenindustrie. Die Zahl der Touristen weltweit steigt kontinuierlich – bisher. Die weltweiten Tourismuseinnahmen beliefen sich 2017 auf 1.340 Milliarden US-Dollar. In Ein-Dollar-Scheinen hintereinandergelegt wäre das eine Strecke von der Erde bis zum …, aber lassen wir das.

Die Länder mit den höchsten internationalen Tourismusausgaben sind mit großem Abstand China, die USA und Deutschland. Die beliebtesten Reiseziele von Touristen aller Nationen sind Frankreich mit fast 90 Mill­io­nen Ankünften internationaler Touristen, dann folgen Spanien und die Vereinigten Staaten.

Das große Geschäft mit dem Urlaub ist ein sensibler Wirtschaftszweig, der auf Naturkata­strophen, politische Krisen, Anschläge und Epidemien mit äußerster Umsicht reagieren muss. Das Reisevertriebspanel von Travel Data + Analytics analysiert die Buchungsdaten von über 2.000 Reisebüros sowie von zahlreichen Onlineportalen der Reiseveranstalter. Die aktuellen Auswertungen belegen, das seit Anfang Februar Neubuchungen deutlich zurückgegangen sind.

Messe in Berlin von aussen

Nix los hier: Das Messegelände in Berlin. Foto: Frank May/dpa

Das Coronavirus ist für viele Leistungsträger der Tourismuswirtschaft – von Fluggesellschaften über Hotels und Gaststätten bis hin zu Reisebusunternehmen, Veranstaltern und Kreuzfahrten – schon jetzt mit teils massiven wirtschaftlichen Einbußen verbunden. Dieses Virus ist das reinste Gift. Die bange Frage lautet: Wird das nur eine Buchungsdelle? Oder steht Schlimmeres zu befürchten?

Wie massiv und langfristig die Folgen sind, lässt sich derzeit noch nicht einschätzen, dies wird von der Dauer und vom Ausmaß der Coronakrise abhängen. Denn die Reisebranche verkauft auch Sicherheit.

Martin Riecker, Leiter Unternehmenskommunikation TUI-Group

„Wir sind krisenbewährt und haben eine spezielle Task Force eingerichtet, die mit den Behörden und Ministerien im ständigen Kontakt steht“

„Sicherheit und Gesundheit ihrer Gäste haben für die Branche traditionell oberste Priorität. Um die Freiheit des Reisens auch in Zukunft sicherzustellen, muss oberstes Ziel im Interesse der Menschen und Unternehmen die schnelle Eindämmung des Coronavirus sein“, sagt Michael Frenzel, der Präsident der Dachorganisation Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW). „Die Branche ist bereit, alle ihr selbst möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um im direkten Kontakt zu den Gästen genauso wie mit den Mitarbeitern bei der Eindämmung des Virus mitzuhelfen.“

Martin Riecken, Leiter der Unternehmenskommunikation des weltweit führenden Touristikkonzerns TUI-Group, betont die Vorteil einer organisierten Veranstalter-Reise gegenüber Buchungsplattformen im Internet in Krisensituationen wie diesen: „Unsere Gäste, die derzeit wegen Corona in einem Hotel auf Teneriffa festsitzen, wollen wir gesund nach Hause bringen. Wir kümmern uns um sie, dass unterscheidet uns von Booking-Plattformen. Wir sind krisenbewährt und haben eine spezielle Task Force eingerichtet, die mit den Behörden und Ministerien im ständigen Kontakt steht.“

Mehr Infizierte Die Zahl der Coronavirusfälle in Deutschland ist bis Donnerstagfrüh auf 349 gestiegen. Das waren rund hundert mehr als am Vortag. Die Fälle betreffen 15 Bundesländer und 98 Landkreise. Nur aus Sachsen-Anhalt wurde noch keine Infektion gemeldet. In Nordrhein-Westfalen wurden 175 Infektionen gemeldet, die meisten im Landkreis Heinsberg. Bislang ist in Deutschland niemand an dem Virus gestorben.

Viele Grippe-Tote An der Grippe sind in dieser Saison in Deutschland bereits rund 200 Menschen gestorben. Das geht aus den jüngsten Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut (RKI) hervor. Seit Oktober wurden demnach insgesamt 119.280 bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt. Der Höhepunkt der Grippewelle scheint überschritten (dpa, taz)

Alle TUI-Gesellschaften von Hotels über Kreuzfahrtschiffe bis zu Fluggesellschaften hätten ihre Hygienemaßnahmen verstärkt. Sollten Urlauber ihre Reise aufgrund des Coronavirus nicht antreten wollen, können sie bei TUI Deutschland ihre Buchung derzeit bis 14 Tage vor der Abreise kostenlos umbuchen oder stornieren. Andere Reiseveranstalter wie FTI, Schauinsland, DER Touristik oder Alltours reagieren ähnlich, wenn sich die Regelungen auch im Detail unterscheiden. Die Maßnahmen sollen zeigen: Wir kümmern uns um euch, liebe Kunden, auch jetzt. Und: Es gibt keinen Grund, derzeit einen Reisewunsch aufzuschieben.

Das ist auch dringend nötig, denn andererseits sind die Veranstalter verpflichtet, heimkehrende Urlauber mit der wenig romantischen Realität zu konfrontieren. Auf Anordnung des Bundesministeriums für Gesundheit müssen sie jedem Reisenden, der aus Risikogebieten wie China, Iran, Japan oder Italien wieder nach Deutschland einreist, ein Informationsblatt zu Verhaltenshinweisen bei auftretenden Krankheitssymptomen aushändigen.

Die afrikanischen Veranstalter mit ihrer Mini-Messe haben sich spontan selbst organisiert. Aber auch sonst trifft man sich in Berlin für Geschäfte, Abschlüsse, Meetings, allerdings im kleinen Kreis, im Hotel, in Reisebüros. Oder über die WhatsApp-Gruppe strandedinberlin, wo sich Reiseprofis austauschen können, wo Meetings und gesellige Abende mit oder ohne Thema angekündigt werden.

Marija Linnhoff, Reisebüro-Verband VUSR

„Es ist wichtig, gemeinsam Konzepte und Maßnahmen zu erarbeiten und umzusetzen, damit die Kunden die Freude am Reisen nicht verlieren“

„Wir brauchen Geschlossenheit in der Kommunikation“, fordert der Verband unabhängiger selbständiger Reisebüros e. V. (VUSR). Er appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Branchenverbände, an Reisebüro-Kooperationen, Reiseveranstalter sowie Entscheidungsträger aus der Politik. „Es ist wichtig, gemeinsam Konzepte und Maßnahmen zu erarbeiten und umzusetzen, damit die Kunden die Freude am Reisen nicht verlieren“, bekräftigt die VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff. „Es ist unabdingbar, in diesen stürmischen und für die Touristik auch schweren Zeiten zusammenzuhalten und mit einer Stimme zu sprechen.“

Bei den Hotels prasseln derzeit die Stornierung herein. Der Deutsche Hotel- und Gaststätten­verband (Dehoga) spricht von einem finanziellen Schaden in unbezifferter Höhe durch Absagen wegen des Coronavirus. Forderungen nach Liquiditätshilfen, Fördermaßnahmen sowie Steuerentlastungen kommen auf. Um die Branche mit ihren drei Millionen Mitarbeitern und mehreren Hunderttausend meist mittelständischen Unternehmen zu stützen, müsste die Tourismuswirtschaft Teil eines Konjunkturprogramms der Bundesregierung werden, verlangt Dehoga-Verbandspräsident Guido Zöllick.

„Die kurzfristigen Auswirkungen spüren viele Betriebe deutlich“, sagt Nicole von Stockert. Sie ist Pressesprecherin des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft. Viele Angebote im Tourismus seien sensibel wie verderbliche Ware: „Jedes Hotelzimmer, das heute Nacht leer bleibt, jeder Sitz, der heute in einem Flugzeug oder Reisebus nicht besetzt ist, verursacht Kosten, bringt aber keinen Umsatz. Anders als ein produziertes Auto oder Möbelstück lässt es sich nicht nachträglich in zwei Monaten verkaufen.“

„In den meisten Weltgegenden ist das Risiko einer Ansteckung noch immer gering“, sagt Thomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin. Die Situation entwickle sich jedoch sehr dynamisch. Wer vorhabe zu verreisen, solle sich daher stets über die aktuelle Lage im Zielland informieren – etwa auf den Seiten des Auswärtigen Amts, das für Reisewarnungen zuständig ist. Dort wird derzeit nur vor Reisen in das schwer betroffene Hubei gewarnt. Von nicht notwendigen Reisen in andere Regionen mit erhöhten Infektionszahlen – darunter eine Stadt und eine Provinz in Norditalien – wird abgeraten.

Lufthansa streicht den Flugplan zusammen

Ebenfalls informieren sollte man sich über die aktuellen Reiseverbindungen zu oder aus den betroffenen Regionen: Viele Fluggesellschaften streichen derzeit Flüge, manche Länder verweigern Passagieren aus Risikogebieten die Einreise. Die Lufthansa-Gruppe reagiert mit einem drastischen Sparprogramm: Rund 150 der gut 750 Flugzeuge des Konzerns sollen stillgelegt werden. Nicht nur Linienflüge nach China, Iran oder Südkorea sind betroffen, auch das europäische und innerdeutsche Netz wird mangels Nachfrage ausgedünnt. Das überzählige Personal ist angehalten, unbezahlten Urlaub einzureichen oder die Arbeitsleistung auf Teilzeit zu reduzieren. Lufthansa prüft die Möglichkeit, bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit anzumelden.

Am Donnerstag musste die erste Airline ihre Flügel hängen lassen. Das britische Unternehmen Flybe, schon vor der Coronakrise wirtschaftlich angeschlagen, hat die Buchungsrückgänge nicht mehr verkraften können und einen Insolvenzantrag gestellt. Alle Flüge sind abgesagt.

Kein Urlaub: Rückführung von Bundesbürgern mit einem Bundeswehr-Airbus nach Frankfurt Foto: dpa

Nach der Pleite von Thomas Cook im letzten Jahr bedeutet das Coronavirus eine weitere Zäsur. Es trifft insbesondere Veranstalter, die sich auf eine bestimmte Region spezialisiert haben, die momentan besonders vom Virus betroffenen sind, wie China, Südkorea, Iran oder Norditalien. Der Spezialveranstalter China Tours ist ein Opfer des Virus. Er hat Insolvenz angemeldet.

Petra Thomas, Geschäftsführerin des Forums Anders Reisen, ein Verband kleiner und mittelständischer Veranstalter mit nachhaltigen Reisen, betont Kundentransparenz und Flexibilität: „Daneben sind wirtschaftlich stabilisierenden Maßnahmen wichtig: Destinationsspezialisten erweitern ihr Reise-Portfolios durch das Angebot von Ausweichzielen, die oft in Kooperation mit anderen Veranstaltern des Verbands angeboten werden.“

Mobilität und Beschleunigung sind eine Grund­essenz des modernen Lebensstils. Und jetzt das ­Virus. Und alle bleiben zu Hause, fürchten sich vorm Reisen. Dabei haben die kleinen Fluchten in andere Welten, die lustvolle Auszeit, die fremden Gerüche, exotischen Geschmäcker, die anderen Gepflogenheiten, der belebende Tapetenwechsel, das aufregend Unvorhergesehene ohnehin längst ihre Unschuld verloren. Der Sündenfall beim Reisen ist unumkehrbar. Verzicht wird überall gefordert.

Eine Frau im Schutzanzug misst einer Passagierin die Körpertemperatur

Ungarn: Flughafenpersonal misst bei einer aus Mailand kommenden Passagierin die Temperatur. Foto: Zsolt Czegledi/dpa

taz-Abonnent*innen kündigen ihr Abo, weil die taz weiter über Reisen in ferne Länder berichtet. Und wer heute nach Thailand reist, vergisst nicht zu erwähnen, dass er vier Wochen bleibt, damit sich das klimaschädigende CO2 rechnet. Der Ruf nach Entschleunigung, nach Verzicht auf klimaschädliches Fliegen hatte bislang wenig Erfolg. Der Tourismus wächst und wächst. Der Schrecken des Virus stoppt –zumindest kurzfristig –, was Tausende Klimademos nicht erreichten.

Aus der Not eine Tugend machen

Die weltgrößte Tourismusmesse spielt sich nun in kleinen Zirkeln wie auf dem Afrika-Forum, oder gleich virtuell ab. „Wir machen aus der Not eine Tugend und verlegen unsere traditionelle Präsentation ins Internet. Aussteller der ITB Berlin 2020 können ihre Travel Events auf www.itb-berlin.de/events kostenlos ankündigen und bewerben oder mit dem Hashtag #whatwewantedtosayatITBBerlin20 in den sozialen Medien teilen“, teilte die Messe mit.

„Nachhaltig und digital“ tritt auch die Kommunikationsagentur BZ.COMM der Absage der ITB entgegen: „Medien und Blogger treffen das BZ.COMM Team in einem individuellen Gespräch über Skype und erfahren Neuigkeiten rund um Island, Israel, Malta und Trentino.“ Und die Ergebnisse der Reiseanalyse, die jedes Jahr auf der ITB vorgestellt werden, werden im Rahmen eines interaktiven Webinars präsentiert. „Prof. Dr. Martin Lohmann freut sich, Ihnen ausgewählte Ergebnisse der RA 2020 vorzustellen, und steht direkt für Ihre Fragen zur Verfügung. Auch unser Partner VIR verlegt seinen Online-Summit 2020 in den virtuellen Raum und wird im Rahmen der #ITBdigital neueste Daten und Fakten zum Reise- und Buchungsverhalten präsentieren.“

Ein Probelauf für eine nachhaltige Kommunikation, in der Großevents und Kongresse übers Internet laufen? Vielleicht. Ein Schritt zu virtuellen Reisen, bei denen wir die weite Welt vom heimischen Sofa aus erleben? Wohl kaum.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte haben sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit soll der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie Anfang Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen: Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 5. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollen die Regeln gelockert werden: PatientInnen oder BewohnerInnen sollen wieder durch eine bestimmte Person besucht werden können.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport soll das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt sein. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga darf die Saison ab Mitte Mai mit Geisterspielen fortsetzen – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten. Was alles unter „Großveranstaltung“ fällt, wird noch geklärt.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios sollen die Ländern Lockerungen eigenständig verantworten.

■ Spielplätze sollen unter Auflagen wieder öffnen – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen werden wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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