Covid-19 in Bosnien-Herzegowina: Impfausflug nach Serbien

Mitarbeiter des bosnischen Verfassungsgerichts haben sich im Nachbarland impfen lassen. Währenddessen wartet die Bevölkerung vergeblich auf Impfstoff.

Medizinisches Personal in Schutzkleidung sitzt um Tische vor den Impfungen

In Serbien laufen die Impfungen gegen Covid-19 auf Hochtouren, hier in der Stadt Niš Foto: Marko Djurica/reuters

SARAJEVO taz | Während die Impfkampagne in Bosnien-Herzegowina nur schleppend bis gar nicht anläuft, haben sich über 80 Mitarbeiter des Verfassungsgerichtshofes und ihre Familien am vergangenen Montag im Nachbarland Serbien gegen Covid-19 impfen lassen. Dort ist mittlerweile ein großer Teil der Bevölkerung mit chinesischem und russischem Impfstoff immunisiert.

Für den Vorsitzenden der Bürgerpartei Naša Stranka Predrag Kojević ist das ein ungeheuerlicher Vorgang. Während die Behörden des Landes bisher überhaupt nicht in der Lage seien, auf die Herausforderungen von Covid-19 zu reagieren, „haben hohe Repräsentanten des Staates sich im Ausland impfen lassen“ und versetzten damit der Bevölkerung einen Schlag ins Gesicht. Mitglieder des Verfassungsgerichts, das die höchste juristische Instanz darstellt, sollten sich in dieser Krise eigentlich vorbildlich verhalten.

Die Behörden haben bisher bei der Bestellung von Impfstoff versagt, was teilweise dem komplizierten Staatsaufbau geschuldet ist. Aber nicht nur. Im Kanton Sarajevo hat erst mit der neuen Regierung aus nicht­natio­nalistischen Parteien eine Bestandsaufnahme stattgefunden.

Der bisherige Krisenrat, der von der muslimischen Nationalpartei geleitet wurde, bestand vor allem aus Funktionären dieser Partei, jedoch nicht aus Fachleuten. Das hindert Sebija Izetbegović, die Ehefrau des Chefs der Partei, Baki Izetbegović, nicht daran, der neuen Kantonsregierung die Schuld für die eigenen Versäumnisse in die Schuhe zu schieben.

Politischer Einfluss durch Impfstoff

Die bosnischen Behörden haben bisher bei der Bestellung von Impfstoff versagt

An Vakzinen bekommt Bosnien bisher nur Almosen. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić brachte Anfang des Monats eine Spende von 10.000 Dosen AstraZeneca nach Sarajevo, Slowenien lieferte 4.800, und jetzt sollen 30.000 Dosen aus Ankara gespendet werden. Die Länder versuchen mit Impfstoff ihren Einfluss in Bosnien auszubauen.

Aus der Europäischen Union kommen trotz aller Versprechungen bisher keine Lieferungen, ebenso wenig über das WHO-Covax-Programm. Immerhin will jetzt die Föderation, der größere Teilstaat, selbst mehrere Hunderttausend Dosen organisieren.

Währenddessen hat die dritte Infektionswelle das Land und insbesondere die Hauptstadt voll erwischt. Am Dienstag wurden in Gesamtbosnien 5.134 Personen getestet, davon waren 1.638 positiv, allein in Sarajevo fielen von 1.952 Tests 824 positiv aus. 53 Menschen sind gestorben. Nach der Statistik der Johns-Hopkins-Universität steht Bosnien damit weltweit an neunter Stelle.

Virologen und Kommentatoren der Zeitungen machen vor allem den Tourismus dafür verantwortlich. Sarajevo ist mit seinen verschneiten Olympiapisten in diesen Wintertagen Ziel vieler Skitouristen vor allem aus den Nachbarländern Kroatien und Serbien. Viele von ihnen reisen ohne Covidtest ein, da eine Testpflicht von der Führung des serbischen Teilstaates verhindert wird.

Andere kritisieren auch das nachlässige Verhalten der eigenen Bevölkerung, nachdem die Infektionszahlen bis Mitte Februar vergleichsweise niedrig waren. Noch letzte Woche, als im Kanton Sarajevo ein strenger Lockdown ausgerufen wurde, waren Restaurants und Bars geöffnet.

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