Coronazahlen steigen weiter: Doch kein R-Wert unter 1

Das Robert-Koch-Institut hatte eine gute Nachricht verbreitet – aber verfrüht. Die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle wächst weiter.

: Ein Piktogramm, das auf das Tragen einer Schutzmaske hinweist, ist auf den Bürgersteig gemalt. Ein Manng eht vorbei.

Flatterhaft wie Laub im Herbstwind: der R-Wert Foto: Federico Gambarini/dpa

Es klang nach einer guten Nachricht, was in der vergangenen Woche an mehreren Tagen im Coronalagebericht des staatlichen Robert-Koch-Instituts (RKI) zu lesen war: Der 7-Tage-R-Wert sei unter 1 gesunken. Diese Zahl ist eine wichtige Kenngröße für die Ausbreitung der Pandemie; sie gibt an, wie viele weitere Menschen ein Corona-Infizierter über eine Woche gemittelt ansteckt. Liegt der R-Wert über 1, wächst die Zahl der Neuinfektionen weiter, liegt er unter 1, sinkt sie.

Doch inzwischen steht fest: Die gute Nachricht stimmte nicht. Nachdem das RKI die R-Werte der letzten Woche aktualisiert hat, gibt es an keinem Tag mehr einen Wert unter 1. Das ist aber gar nicht leicht zu erfahren: Während die ursprüngliche Schätzung des R-Werts prominent im Lagebericht steht, ist die Aktualisierung in einer unübersichtlichen Tabelle auf einer Unterseite der Behörde im Netz versteckt.

Dass sich die Werte im Nachhinein noch verändern, ist nicht ungewöhnlich, denn bei der Berechnung wird zum Teil mit Schätzungen gearbeitet, die täglich aktualisiert werden, wenn weitere Erkrankungsdaten für zurückliegende Tage gemeldet werden. Derzeit ist die Abweichung aber besonders groß, und sie geht nur in eine Richtung: Wie ein Vergleich der ursprünglichen Werte aus den Tagesberichten mit den Aktualisierungen zeigt, sind die R-Werte in den letzten Wochen fast nur nach oben korrigiert worden, und zwar um bis zu 0,2. Bei einem Wert, der zuletzt zwischen 0,9 und 1,4 geschwankt hat, ist das überaus relevant.

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Das RKI erklärt auf Anfrage, es sei zutreffend, dass die R-Werte in der letzten Zeit vor allem von Montag bis Donnerstag nachträglich oft nach oben korrigiert worden sind. Grund für die deutliche Unterschätzung in der letzten Zeit sei, dass sich die Verzögerung zwischen Erkrankung und Meldung einer Infektion zuletzt verlängert habe, so die Behörde. Einfach anpassen könne man die Berechnung aber auch nicht, weil unklar sei, wie lange diese Verlängerung noch weiter zunehme.

Doch nur schlecht ist die Nachricht trotzdem nicht, die derzeit vom R-Wert ausgeht. Denn auch wenn die korrigierten 7-Tage-R-Werte weiterhin über 1 liegen, zeigen sie in den letzten Wochen doch einen klaren Trend nach unten: Von 1,4 Anfang Oktober ging der Wert auf 1,1 am Monatsende zurück. Das Wachstum der Neuinfektionen ist also nicht gestoppt, aber es verlangsamt sich.

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Das zeigt sich auch an den aktuellen Zahlen. Am Montag lag die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen im 7-Tage-Mittel bei gut 18.000. Das ist ein neuer Höchstwert – aber er liegt nur rund 18 Prozent höher als vor einer Woche. Eine Woche zuvor betrug der entsprechende Anstieg noch 50 Prozent.

Etwa langsamer als zuvor wächst auch die Zahl der Coronapatient*innen, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Mit 3.005 wurde hier am Montag der bisherige Höchstwert vom April übertroffen. Die Zahl der Coronatoten steigt dagegen mit fast unverändertem Tempo weiter. In der letzten Woche starben im Schnitt 117 Menschen an einem Tag im Zusammenhang mit Covid-19.

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