Coronaschutz auf dem Volleyballfeld: Die Wettkampfmaske

Der brasilianische Volleyball-Olympiasieger Lucas Saatkamp tritt in Tokio sogar auf dem Feld mit Maske an. Auch andere Teamkollegen machen mit.

Mann mit Maske: Lucas Saatkamp trägt den Schutz auch auf dem Spielfeld - schon seit Monaten.

Mann mit Maske: Lucas Saatkamp trägt den Schutz auch auf dem Spielfeld – schon seit Monaten Foto: ap/Frank Augstein

Deutsche Urlauber, die heuer ihre Ferien in den Niederlanden, in Schweden oder Dänemark verbrachten, staunten nicht schlecht über den doch etwas anderen Umgang mit Corona. Die wenigsten tragen dort eine Maske. Es bleibt den Bürgern überlassen, ob sie sich mit einem Mund- und Nasenschutz vor Keimen schützen; die Eigenverantwortung des Einzelnen steht in diesen liberal geprägten Ländern im Vordergrund.

In Deutschland ist es anders. Hier gilt die Maskenpflicht auch bei Niedrig­inzidenzen. Und die japanischen Olympiaveranstalter scheinen sich an den strengsten Präventionsmodellen deutscher Provenienz zu orientieren, denn mit der Maske wird in Tokio allerorten und ständig hantiert. Ohne sie geht gar nichts.

Es dauert keine fünf Sekunden und der japsende Kanute oder die erledigte Schwimmerin müssen in eine Maske pumpen. Als Zuschauer hat man manchmal Angst, dass die Maskierten, von Sauerstoffschuld geplagt, in die Knie gezwungen werden, aber bisher ging wohl alles gut. Ein Sportlerkörper hält viel aus – was man auch am brasilianischen Volleyballer Lucas Saatkamp sehen kann.

Der Olympiasieger von Rio de Janeiro, der mit seinen Kollegen jetzt wieder Gold holen will, trägt sogar auf dem Feld eine Maske – seit Monaten schon, und sein Kollege Mauricio Borges tut es ihm nach. Sie müssen das nicht tun, es ist vielmehr eine vollkommen freiwillige Aktion, an der auch Landsfrau Fernanda Silva Carneiro teilnimmt.

Politische Symbolik

Da die Athleten in der Blase dauergetestet und also pumperlgesund sind, kann es sich nur um einen Akt politischer Symbolik handeln. Saatkamp und Co. wollen wohl sagen: Wir nehmen die Pandemie ernster als ernst, setzen aber auch ein Zeichen gegen die „Schwurbler“, wie man Maßnahmenkritiker inzwischen schmähend tituliert.

Dass Saatkamp dabei in Kauf nimmt, eine schlechtere Leistung zu bringen, ist bemerkenswert, nicht weniger bemerkenswert ist, dass der Kommentator im ZDF-Stream nicht sonderlich beeindruckt ist vom Brasilianer, dabei steht ein rosa Elefant auf dem Spielfeld, dessen Handeln erklärungsbedürftig ist.

Die Frage ist, warum die brasilianischen Schmetterfreunde so gern durchs Textil atmen. Nun, zumindest Saatkamp machte bereits eine Corona-Infektion durch, die ihn in seiner Vorbereitung beeinträchtigte. Er möchte durch seine Maske, die er auch im Training trägt, seinen lungenkranken Sohn schützen.

Als Genesener verfügt der 35-Jährige freilich über Antikörper und muss sich eigentlich nicht mehr ängstigen vor dem Virus. Um Gesundheitsschutz kann es also nicht in erster Linie gehen, sondern wohl zusätzlich um einen Fingerzeig in Richtung der brasilianischen Führung.

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat das Virus wie viele andere in seinem Sinne politisiert. Gleichzeitig sind die Zahlen in Brasilien andere als in Deutschland: Während nur 18 Prozent doppelt geimpft sind, sterben dort im 7-Tages-Schnitt derzeit etwas mehr als 1.000 Menschen mit oder an Corona. Lucas Saatkamp wird also weitermachen mit seiner Maskerade.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

▶ Alle Grafiken

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben