Corona in der Ex-Sowjetunion: Wunderkraut und Sauna

In Turkmenistan soll eine Wunderpflanze das Virus killen. Weißrusslands Präsident Lukaschenko empfiehlt Treckerfahren und Saunagänge.

ein Mann vor einer Pflanzentapete

Gurbanguly Berdimuhamedow meint mit angeräucherten Steppenrauten das Coronavirus im Zaum zu halten Foto: Alexander Shcherbak/imago

BERLIN taz | Manchen Menschen, die in pandemischen Zeiten wie diesen über bestimmte Talente und Qualitäten verfügen schlägt jetztihre Stunde. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist der autoritäre turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow. Schon sein Vorgänger Saparmurad Nyjazow, der einem bizarren Personenkult huldigte, war ein Meister der Isolation. In das zentralasiatische Land kamen weder Mann noch Maus rein oder raus (Frauen dito).

Auch Berdimuhamedow sind diese paranoiden Abschottungsphantasien und staatlich verordneten Ehrenbezeugungen seiner Untertanen alles andere als fremd. Jetzt fährt der 62-Jährige, der seit Ende 2006 an der Spitze des Staates steht, die Ernte ein. Offiziellen Angaben zufolge, die jedoch nicht überprüfbar sind, gibt es in Turkmenistan bislang noch keinen Coronafall. Auch die staatlichen Medien – andere gibt es so gut wie nicht – schweigen sich über das Virus aus.

Dennoch scheint sich auch Berdimuhamedow der Verlässlichkeit seiner Statistiker nicht so ganz sicher zu sein. Mittlerweile sind Zufahrten zu der Hauptstadt Aschgabat mit zahlreichen Checkpoints gesichert. Nur Bewohner der Metropole werden noch durchgelassen. Auch der Verkehr zwischen den einzelnen Provinzen wurde eingeschränkt.

Dessen ungeachtet hat der Präsident, der in seinem früheren Leben als Zahnarzt gearbeitet hat, noch einige gute Ratschläge für seine Landsleute im Köcher. „Über Jahrtausende haben unsere Vorfahren nationale Methoden entwickelt, um Süchte zu bekämpfen und verschiedenen Infektionskrankheiten vorzubeugen“, sagte er unlängst bei einer Sitzung der Regierung.

Dann empfahl er ein heimisches wildes Rautengewächs namens Hamala abzubrennen, „um das Virus zu zerstören, der für das bloße Auge unsichtbar ist“. Berdimuhamedow muss es wissen, denn er ist auch ein ausgewiesener Kenner der Flora: Schließlich hat er ein Buch über die Pflanzen Turkmenistans geschrieben. Der turkmenische Dienst von Radio Freies Europa berichtete übrigens, dass Staatsangestellte begonnen hätten, Regierungsgebäude, Schulen und Friedhöfe mit dem entzündeten Wunderkraut zu desinfizieren. Zweimal täglich, lautet die Ansage.

Schlichtes Gemüt

Auch Weißrussland Dauerpräsident Alexander Lukaschenko (erst 26 Dienstjahre) schöpft derzeit aus einen soliden Wissensfundus. Der ehemalige Chef einer Kolchose ist ein eher schlichtes Gemüt, dafür aber Pragmatiker durch und durch.

„Wir haben schon andere Viren überlebt, wir werden auch dieses überleben“, gab er im staatlichen Fernsehen zu Protokoll. Die Weißrussen sollten jetzt vor allem auf dem Land arbeiten, sagte er. „Dort arbeiten die Menschen auf den Feldern, mit Treckern. Da redet niemand über das Virus. Trecker und Felder werden jeden heilen.“ Seinen Ministern gab er gleich noch einen weiteren Gesundheitstipp: Eine Runde schwitzen in einer trockenen Sauna. Bei 60 Grad Celsius sei das Corona-Virus tot.

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