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College-Sport in den USAChaos nach Umverteilung

Die Basketballwelt gerät aus den Fugen, weil in den USA College-Sportler nun viel Geld verdienen können. Das verändert auch in Europa einiges.

I n der Welt des Profisports gilt die Faustregel: Wo die meisten zuschauen, fließt das meiste Geld. Der amerikanische Uni-Sport stellte hierbei lange eine Ausnahme dar. Das Finalturnier der Basketballer, die March Madness, und die „Natty“ im College Football zählen zu den beliebtesten Sportveranstaltungen in den USA. Die Sportlerinnen und Sportler verdienten dennoch keinen Cent an diesen Mega-Events. Der Amateurstatus der berühmtesten Gesichter des Sports stand stets im krassen Kontrast zu den stetig steigenden Umsätzen der Universitäten.

Im Juli 2021 wurde deshalb die sogenannte „Name, Image, Likeness“-, kurz NIL-Regelung im College-Sport eingeführt. So können den Sport­le­r:in­nen nach wie vor keine Gehälter ausgezahlt werden, doch sie profitieren nun selbst von den Werbe- und Sponsoringeinnahmen, die aus ihren Auftritten erzielt werden. Seitdem bündeln Universitäten Sponsoringdeals und Spenden und buhlen mit gehaltsähnlichen Vergütungen um junge Ath­le­t:in­nen.

Ein Blick auf den derzeitigen Zustand des College-Basketballs zeigt, wie gewaltig die Folgen dieser vermeintlich kleinen Regeländerungen sind. Ein großer Bestandteil des NCAA-Basketballs war bisher das sogenannte Recruiting. Es galt, junge Spie­le­r:in­nen von der Highschool von der eigenen Universität zu überzeugen – zu bieten hatten alle „nur“ ein Stipendium und einen Abschluss. AJ Dybantsa, der begehrteste Neuzugang für die kommende College-Saison, wird nächste Saison für die mormonische Brigham Young University (BYU) im Bundesstaat Utah spielen.

Der ausschlaggebende Grund sind die fünf bis sieben Millionen Dollar, die er durch NIL-Verträge dort verdienen wird. Um Talente anzulocken, müssen Colleges Voraussetzungen schaffen, um diese möglichst effektiv vermarkten zu können. Bestes Beispiel: Der ewig-charismatische Shaquille O’Neal ist seit kurzem der Manager der kleinen Sacramento State University.

Entwicklungen wie in den Profiligen

Wirklich lebensverändernd ist die Neuerung jedoch für die breite Masse der sogenannten „student athletes“. Etwas weniger als 10.000 Bas­ket­bal­le­r:in­nen spielen mit Stipendium in der ersten Division der NCAA. Ein Großteil von ihnen tut dies nun für eine Art Gehalt. Agenten sind jetzt im Spiel. Weil jedoch niemand vertraglich an seine Universität gebunden ist, haben sich bei den Männern alleine dieses Jahr 2.000 Spieler durch das sogenannte „transfer portal“ für einen Wechsel angemeldet.

Der legendäre College-Coach Rick Pitino kündigte an, er werde keinen einzigen Highschool-Spieler in sein Team holen, nur Transfers von anderen Unis. Wie in einem professionellen Liga-System kristallisieren sich Ausbildungsteams und Titelkandidaten heraus. Die Professionalisierung geht so weit und schnell, dass der diesjährige Finalist Auburn University eine ältere Startaufstellung aufs Feld stellte als fünf aktuelle Profiteams der NBA.

Eine weitere Konsequenz von NIL ist ein Exodus von europäischem Talent in die USA. Bislang war stets umstritten, ob ein früher Wechsel in die USA aus sportlicher Sicht überhaupt sinnvoll ist. Durch die für europäische Verhältnisse unglaublichen Geldmengen, welche die NIL einbringt, stellt sich diese Frage nicht mehr. Der oben genannte Dybantsa wäre in Europa der Topverdiener. Das 19-jährige deutsche Talent Johann Grünloh wechselt nach einer Saison in Vechta zur University of Virginia und wird dort wohl rund 500.000 Dollar verdienen können. Damit wäre er ein absoluter Topverdiener in Deutschland. Jungen Profis ist eine Rolle als 12. Mann in Europa für das geringste Gehalt im Team kaum noch zu vermitteln. Vereine mit weitsichtigen Jugendförderungen wie Zalgiris Kaunas geben deshalb die Altersgruppe 19 bis 24 praktisch komplett auf und unterzeichnen stattdessen Verträge mit jungen Spie­le­r:in­nen für den Fall ihrer Rückkehr nach Europa.

Wie College-Basketball in einem oder zwei Jahren aussehen wird, ist aktuell unmöglich vorauszusehen. Auf das aktuelle Chaos werden neue Regelungen folgen. Sicher ist, dass die Effekte in der gesamten Basketballwelt spürbar sein werden.

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