: Charlie Haden is gone west
■ Charlie Haden und sein „Charlie Haden Quartet West“ spielt heute um 20.30 Uhr auf dem Orchesterboden des Packhaus-Theaters
Es ist noch kein Jahr her, daß Charlie Haden in Bremen ein Konzert gab - als Bandleader des „Liberation Music Orchestra“. Aber die Big Band, die folkloristische und politische Lieder aus Lateinamerika, Spanien oder Südafrika interpretiert, und mit einem politischen Anspruch auftritt ist nur ein Projekt des amerikanischen Bassisten.
Haden war Mitglied in den klassischen Quartets von Ornette Coleman und Keith Jarrett, spielte mit Carla Bley und Pet Metheny und war in den letzten Jahren einer der Stammusiker, die für das sehr kultivierte, aber auch etwas blutleere ECM -Label spielen. Das war auch schon für andere Jazzmusiker gefährlich, und das ewige Adagio machte auch Haden zu schaffen, wie bei den Trioaufnahmen mit Jan Garbarek und Egberto Gismonti zu hören ist, die auf dem Plattenspieler ruhig mit erhöhter Geschwindigkeit abgespielt werden können, ohne daß es sonderlich auffällt.
Haden hat jetzt aber die ECM-Schlafmütze vom Kopf genommen und spielt unter einem anderen Label eine überraschend frische und lockere Musik.
Sein „Quartet West“ besteht aus Jazzmusikern der amerikanischen Westküste - aus Los Angeles und umliegenden Ortschaften, aber für diese Tour wird der Schlagzeuger Billy Higgins durch den Ostküstler Paul Motian ersetzt, der für viele Jahre der feste Partner von Haden war. Piano spielt Alan Broadbent, und am Saxophon wird Ernie Watts zu hören sein, einer der versiertesten Studiomusiker von Los Angeles, der unter anderem bei den Rolling Stones, Whitney Houston, Barbara Streisand und Steely Dan gespielt hat. Das „West“ im Namen ist sicher auch programmatisch
gemeint: der Westcoast-Jazz war immer entspannter, eleganter und mehr aus dem Bauch gespielt als sein Pendant aus „back east“. Und der typische New Yorker Haden als akademisch wirkender Kopfmensch hat mit dem zwischen Jazz-und Popmusik wechselnden, typischen LA-Musiker Watts einen Gegenpol in der Gruppe, der ein spannendes Konzert verspricht.
Es bleibt nur abzuwarten, ob Charlie Haden nächstes Jahr mit einem „Quartet East“ auf Tour geht.
Willy Taub
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