Champions-League-Finale der Frauen: Olympique Lyon war gestern

Am Sonntag ist Champions-League-Finale. Der FC Chelsea mit zwei deutschen Spielerinnen ist dabei, eine neue Ära im Frauenfußball zu begründen.

Chelseas Trainerin Emma Hayes mit dem Meisterschaftspokal.

Trainerin mit Pott: Chelseas Emma Hayes mit dem Meisterschaftspokal Foto: John Walton/ap

Melanie Leupolz hat geschmunzelt, als sie den Begriff in der Presse fand. Selten sei in der Berichterstattung über den FC Chelsea Women etwas so zutreffend gewesen wie die Beschreibung von den mentality monsters. „Diese Eigenschaft macht in Drucksituationen den Unterschied aus“, findet die deutsche Nationalspielerin, die zusammen mit Torhüterin Ann-Katrin Berger eine tragende Stütze beim englischen Meister ist, der auf dem Weg ins Finale der Women’s Champions League gegen den FC Barcelona (Sonntag 21 Uhr/Sport1) zahlreiche Widerstände aus dem Weg räumte.

„Wenn ich an das Achtelfinale gegen Atlético Madrid denke, da gerieten wir nach zehn Minuten in Unterzahl. Wir sind häufig angeeckt, haben aber immer einen Weg gefunden, noch zu gewinnen“, erzählt die 27-Jährige, die im Viertelfinale erst den VfL Wolfsburg, dann im Halbfinale ihren Ex-Klub FC Bayern ausschaltete.

Fußballerisch nicht unbedingt besser, aber effizienter war ihr Team mit den Angreiferinnen Pernille Harder und Sam Kerr allemal. Somit amortisieren sich die Investitionen aus dem vergangenen Sommer: Allein 350.000 Euro Ablöse flossen vergangenen Sommer nach Wolfsburg, um die Dänin Harder aus dem Vertrag zu kaufen.

Der Showdown im Gamla Ullevi von Göteborg soll eine bemerkenswerte Entwicklung krönen, um dem auf allen Ebenen wachsenden Frauenfußball auf der Insel den nächsten Impuls zu verleihen. Seit 2008 standen ausnahmslos nur deutsche und französische Vereine in der Siegerliste, zuletzt fünfmal hintereinander Olympique Lyon.

„Viel Tiki-taka und kurze Pässe“

Doch das Starensemble mit der deutschen Spielmacherin Dzsenifer Marozsán schied diesmal im Viertelfinale aus, nun stehen sich im Endspiel die Titelträger und Trendsetter aus England und Spanien gegenüber. „Es prallen zwei unterschiedliche Anschauungen aufeinander“, sagt Leupolz, die beim Finalgegner die bekannten Muster der Barça-Schule aus dem Männerfußball entdeckt: „Viel Tiki-Taka, viele kurze Pässe und Kombinationen.“

Für sie ist es ihr „größtes Spiel auf Vereinsebene“; für ihren Klub eine historische Chance, weil zwei Wochen später auch die Chelsea-Männer ihr Champions-League-Endspiel gegen Manchester City bestreiten. Die Frauen sollen die Vorlage liefern. Einen Doppelerfolg beider Geschlechter auf diesen Bühnen gab es noch nie. „Das spricht für den FC Chelsea und kommt nicht von ungefähr“, meint die vergangenen Sommer nach sechs Jahren vom FC Bayern gekommene Leupolz.

„Wenn man in ein fremdes Land wechselt, sich dann im Lockdown durchkämpfen muss, bringt einen das auch als Persönlichkeit weiter.“ Dass sie wegen des travel ban, des Reiseverbots wegen der mutierten Virusvariante, Großbritannien monatelang nicht verlassen durfte, sei ihr zwar nicht leicht gefallen, erzählt die Allgäuerin, aber dadurch habe sie halt den Fokus auf den Fußball gerichtet.

Corona ist auch dafür verantwortlich, dass es bislang so gut wie keinen Kontakt zum deutschen Trainer Thomas Tuchel, Kai Havertz, Timo Werner und Antonio Rüdiger gab. Jedes Chelsea-Team sei in seiner Blase unterwegs und streng abgeschirmt. „Ich verfolge deren Spiele, aber wir begegnen uns nicht. Wenn auf der Homepage ein gemeinsames Foto auftaucht, ist das mit Photoshop gemacht – da sind wir uns dann nahe“, sagt Leupolz und lacht.

Ein besonderes Loblied hält sie auf ihre Teammanagerin Emma Hayes, die im Gegenzug an ihrer Nummer acht vor allem das taktische Verständnis schätzt: Immer wieder tauschen sich die englische Trainerin und die deutsche Taktgeberin während eines Spiels durch Blickkontakt aus, ob die Umsetzung des Matchplans funktioniert. Ein Ensemble mit so vielen charakterstarken Persönlichkeiten sei „nicht einfach zu führen“, sagt Leupolz, aber Hayes schaffe es, das Team stets auf das Ziel einzuschwören. „Ihr kann keiner auf der Nase herumtanzen.“

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