Bürofotos in der Sommerpause: Der Minister trinkt Früchtetee
In Berlin geht der Politikbetrieb nahe null. Das Bundespresseamt zeigt auf Facebook die verlassenen Ministerbüros.
„Süß, die kleine Kanne mit Stövchen“, schreibt Heidi Schneider. Die Bundesregierung antwortet: „Der Minister trinkt gern Früchtetee.“ Für seine Facebook-Seite hat sich das Bundespresseamt in diesem Sommer etwas Besonderes ausgedacht. Während die Minister im Urlaub sind oder ihre Wahlkreise bereisen, zeigt man Fotos von deren leeren Büros. Manchen gefällt, was sie da sehen. Aber einigen auch gar nicht.
Das Prinzip ist stets dasselbe. Jede Bildserie zeigt den Blick des jeweiligen Regierungsmitglieds vom Schreibtisch aus. Außerdem Überblicksfotos vom Raum sowie ein paar Details.
Bei Außenminister Frank-Walter Steinmeier grüßt natürlich ein Globus aus der Ecke, während Willy Brandt gleich zweimal – als Grafik und als Plastik – den Raum inspiziert. Auf Landwirtschaftsminister Christian Schmidts Schreibtisch herrscht penible Ordnung, das Redaktionsteam verrät, dass er bei Besprechungen schon mal eine Rhabarberschorle trinkt. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriels Raum ist großflächig mit Gemälden dekoriert. Und Bildungsministerin Johanna Wankas Blick geht von ihrem – bis auf eine magentafarbene Sitzgruppe fast monochromen – Büro direkt Richtung Kanzleramt.
Was das denn soll, schmollen die Bürger in den Kommentarspalten. Ob die Bundesregierung auf ihrer Facebook-Seite keine politischen Inhalte zu bieten habe. Andere bemängeln, dass „da ja gar keiner arbeitet“ und fragen, warum auf Wankas Schreibtisch kein Computer steht. Wieder andere bitten nachdrücklich um Aufklärung darüber, was die ganze Fotoaktion kostet. Die Redaktion im Bundespresseamt bleibt höflich. Es wird mit freundlicher Ironie und Zwinker-Smileys gearbeitet. Die Frage nach den Kosten ignoriert man geflissentlich.
Mit den Fotos wolle man zeigen, antwortet ein Regierungssprecher auf taz-Anfrage, „wo die Ministerinnen und Minister arbeiten und was ihnen in ihrem Büro wichtig ist“. Man beabsichtige jedenfalls, die Serie über die Sommerzeit fortzusetzen. „Bei humorvollen oder bei weniger sachlichen Kommentaren gehört auf Facebook auch mal ein Augenzwinkern zum Dialog.“ Am 7. September beginnt wieder die Sitzungszeit. Bis dahin wird weitergezwinkert.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert