Bürgerkrieg in Sri Lanka: Spielball der Kriegsherren

In Sri Lanka wächst die Sorge um Flüchtlinge, die sich noch im Rebellengebiet der LTTE aufhalten. Bei Armeeangriffen kommen Dutzende ums Leben.

Soldaten der Regierungstruppen haben die Kontrolle im Destrikt Mullaitivu weitgehend übernommen. Bild: reuters

DELHI taz Die Sorge um die Zivilisten in Sri Lankas Kriegsgebiet wächst. Schätzungsweise 300.000 Menschen im verbliebenen Gebiet der Tamil-Tigers- (LTTE-)Rebellen im Norden des Landes geraten nun immer häufiger in die Schusslinie. Der Gesundheitsdirektor der kürzlich von Regierungstruppen eroberten Rebellenhauptstadt Kilinochchi, T. Satyamurthy, erklärte, allein am Montag seien 27 Zivilisten getötet worden. 76 Menschen seien verletzt worden, als Regierungstruppen im Bezirk Mullaittivu ein Krankenhaus beschossen hätten.

UN-Mitarbeiter hätten in der Region dutzende Getötete und Verletzte gesehen, sagte Gordon Weiss von den Vereinten Nationen in Colombo. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief LTTE und Regierungsarmee bereits am Dienstag dazu auf, alles zu unternehmen, damit die Zivillisten an sichere Orte gelangen könnten. Auch das Internationale Rote Kreuz erklärte, in dem Kampfgebiet seien "hunderte" Menschen getötet worden.

Zu besonders vielen Opfern soll es gekommen sein, als die Armee die 35 Quadratkilometer große "Sicherheitszone" in der Nähe der Stadt Mullaittivu mit schwerer Artillerie beschoss. Zuvor hatte die Regierung in Colombo die Menschen im Rebellengebiet aufgefordert, in diesem Gebiet Schutz suchen. Wer für das Aufflammen der Kämpfe in diesem Abschnitt des Kriegsgebiets verantwortlich ist, lässt sich nicht klären. Die Regierung erklärte lediglich, Zivilisten hätten sich dort "unter die Rebellen gemischt".

Indiens Außenminister Pranab Mukherjee forderte am Mittwoch bei einem eilig anberaumten Treffen Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse dazu auf, für den Schutz der Zivilbevölkerung im Kampfgebiet zu sorgen.

Allem Anschein nach versucht Colombo nun, die LTTE mit allen Mitteln in die Knie zu zwingen. Bekundungen, der Zivilbevölkerung solle dabei kein Schaden zugefügt werden, sind bereits seit September nicht mehr glaubwürdig. Damals hatte die Regierung erklärt, sie könne nicht mehr für die Sicherheit von Mitarbeitern internationaler Organisationen im Kriegsgebiet garantieren, und zwang diese damit, ihre Hilfe für die Zivilisten im Kampfgebiet weitgehend einzustellen. Doch auch die LTTE steht in der Kritik. Offenbar hindert sie die Flüchtlinge daran, ihre Gebiete zu verlassen. Damit sind mehr als eine Viertelmillion Menschen zum Spielball der Kriegsherren geworden.

Es sind Szenen aus der Endphase eines der blutigsten Bürgerkriege, die Asien je gesehen hat. 80.000 Tote forderte die Auseinandersetzung bislang. Die Regierung in Colombo hatte die Tamil Tigers in den vergangenen zwölf Monaten in einer massiven Offensive weit zurückgedrängt. Die Rebellen kontrollieren jetzt nur noch einen kleinen Streifen Dschungel westlich der Stadt Mullaittivu, die sie am Sonntag an die Regierungstruppen verloren haben.

Ihr Gebiet ist dabei von mehr als 15.000 Quadratkilometern auf 300 Quadratkilometer geschrumpft, womit sie nur noch ein Areal in der Größe Münchens kontrollieren. Das Ende des 25 Jahre dauernden Bürgerkrieges, zumindest in seiner konventionell geführten Form, ist somit nur noch eine Frage der Zeit.

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