Kommentar Bürgerkrieg in Sri Lanka: Indien kann helfen

Die humanitäre Katastrophe im Norden Sri Lankas findet kaum Beachtung. Noch nicht einmal das Rote Kreuz oder UN-Organisationen dürfen der Bevölkerung helfen.

Die humanitäre Katastrophe, von der zwischen 250.000 und 300.000 Tamilen im Norden Sri Lankas betroffen sind, ist von der Welt weitgehend unbeachtet geblieben. Nicht einmal das Rote Kreuz und die Organisationen der UNO haben derzeit Zugang zu der Bevölkerung, die von Nahrung und Trinkwasser abgeschnitten ist. Die Regierung von Präsident Mahinda Rajapaksa ist wild entschlossen, den Feldzug gegen die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) erst mit deren völliger militärischer Vernichtung zu beenden.

Ob die Zivilbevölkerung von den Rebellen als Schutzschild festgehalten wird, wie die Armee behauptet, oder einfach nicht ihr Land verlassen will und die Schikanen der singhalesischen Militärs fürchtet, wie die LTTE meint, ist dabei nebensächlich.

Mehrere hundert Menschen sind in den letzten Tagen unter dem ständigen Artilleriebeschuss und den Fliegerbomben gestorben. Das tägliche Massaker, das die Regierung in Kauf nimmt, darf von der internationalen Gemeinschaft nicht achselzuckend hingenommen werden.

Die LTTE hat ihre Brutalität oft genug unter Beweis gestellt. Für das Fernziel eines Tamilenstaates nimmt sie zivile Opfer bedenkenlos in Kauf. Doch die Entscheidung, sie auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen, hat die EU der Möglichkeit beraubt, wirksam in diesem Konflikt zu vermitteln. Unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung blendet die Regierung die Ursachen des ethnischen Konflikts aus. Zwar wurde Rajapaksas Team von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner hinter den Kulissen für die systematischen Menschenrechtsverletzungen gescholten. Doch die Drohung, Handelsprivilegien auszusetzen, ist kein wirksames Mittel. Das zeigt die Eskalation der Offensive in den letzten Wochen.

Einzig Indien, wo an die 60 Millionen Tamilen auf eine politische Lösung des Konflikts im kleinen Nachbarland warten, mischt sich hörbar ein. Es verlangt sofortigen Zugang zum Kriegsgebiet für humanitäre Organisationen, die indische Hilfsgüter verteilen sollen. Dieser Initiative sollte sich die EU anschließen.

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Geboren in Wien, 1955, taz-Korrespondent für Österreich und Ungarn. Daneben freier Autor für Radio und Print. Im früheren Leben (1985-1996) taz-Korrespondent in Zentralamerika mit Einzugsgebiet von Mexiko über die Karibik bis Kolumbien und Peru. Nach Lateinamerika reist er noch immer regelmäßig. Vom Tsunami 2004 bis zum Ende des Bürgerkriegs war er auch immer wieder in Sri Lanka. Tutor für Nicaragua am Schulungszentrum der GIZ in Bad Honnef. Autor von Studien und Projektevaluierungen in Lateinamerika und Afrika. Gelernter Jurist und Absolvent der Diplomatischen Akademie in Wien.

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