daumenkino: Buddys nerven
„Showtime“
Als Mediensatire hat das Buddy Movie schon in Robert De Niros letztem Polizeifilm „15 Minuten Ruhm“ nicht funktioniert. Bezeichnenderweise war der beste Gag, dass De Niro nach einer knappen Stunde wieder draußen war. In „Showtime“ muss er bis zum Schluss durchhalten – genauso wie der Zuschauer. Das Mitleid hält sich in Grenzen.
Nach Michael Manns „Heat“ schwärmten die Kritiker, der Film beziehe seine Spannung gerade daraus, dass die beiden Stars De Niro und Pacino ihre einzige gemeinsame Szene erst nach fast zwei Stunden hätten. Unter diesem Gesichtspunkt wirkt das Buddy-Motiv in „Showtime“ gnadenlos überstrapaziert. Schwer zu sagen, wer mehr nervt: Robert De Niro oder Eddie Murphy. Meistens nerven sie zusammen – und das richtig. Dabei schien die exotische Konstellation Murphy/De Niro das einzige Argument für eine weitere „schwarzer Bulle/weißer Bulle“-Komödie. Hoffte man vor „Showtime“.
„Showtime“ ist auch der Titel einer neuen Reality-TV-Cop-Show, in der das Konzept von in den USA erschreckend erfolgreichen Real-Life-Action-Polizeisendungen als Daily Soap aufbereitet werden soll. De Niro hat seine Momente als moralinsaurer Bulle alter Schule, wenn er von der Produzentin Rene Russo gegen seinen Willen in einen dieser martialischen Humvee-Jeeps gesteckt wird, damit der „Miami Vice“-Glamour im Reality-TV-Format erhalten bleibt. Der Schauspieler (Murphy) als schlechter Cop, der Cop (De Niro) als schlechter Schauspieler: In diesem Widerspruch hat sich der offensichtliche Humor von „Showtime“ schon fast erschöpft. Da die Sensationsgeilheit der Medienwelt viel irrationaler und pervertierter ist als jede Hollywoodfantasie, ist „Showtime“ als Satire zum Scheitern verurteilt. Die besseren Witze funktionieren nicht als Selbstreflexion des Mediums, sondern nur noch auf der Film-im-Film-Metaebene. Das Cameo von William Shatner, der in den 80er-Jahren als biederer Fernsehpolizist T. J. Hooker einen zweiten TV-Frühling erlebte, bleibt der einsame Höhepunkt, weil sich hier die Verblödung der „Big Brother“-Kultur in dem aufgeschwemmten Vorabendserien-Saurier manifestiert. Wenn er De Niro vorhält, als Polizist vor der Kamera unglaubwürdig zu agieren, werden die Konzepte von Fiktion und Wirklichkeit grandios über den Haufen geworfen. De Niros Halsschlagader verdient in diesen Momenten besondere Beachtung. ANDREAS BUSCHE
„Showtime“. Regie: Tom Dey. Mit Robert De Niro, Eddy Murphy, Rene Russo u.a., USA 2001, 96 Minuten
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