Bruno Labbadia trainiert jetzt Hertha: Der Trainer als Therapeut

Bruno Labbadia hat bei seinen letzten Stationen gezeigt, dass er großen Aufgaben gewachsen ist – und übernimmt Hertha BSC. Ein Wochenkommentar.

Der Bruno Labbadia, neuer Hertha-Trainer, gibt Anweisungen beim Training und deutet mit der Hand eine Richtung an, ein Foto vom 13. April 2020

Da geht's lang: Bruno Labbadia, neuer Hertha-Trainer, gibt Anweisungen beim Training am 13.4.20 Foto: picture alliance/Jan-Philipp Burmann/Hertha BSC via City-Press GmbH/dpa

BERLIN taz | Ein bisschen gemein war die Frage schon. Wie er sich denn fühle als vierter Trainer in dieser Saison, wurde Bruno Labbadia bei seiner Vorstellung als neuer Trainer von Hertha BSC am Montag gefragt. Zuvor hatte Labbadia verraten, dass Hertha schon im Sommer sein Wunschverein gewesen wäre. Bekanntlich hatte Manager Michael Preetz zu dieser Zeit aber nicht auf den gebürtigen Darmstädter gesetzt, sondern mit Ante Covic auf eine interne Lösung. Der folgte dann das kalifornische Lächeln von Jürgen Klinsmann und nach dessen polnischem Abgang Klinsmanns Co-Trainer Alexander Nouri.

Bruno Labbadia hätte also Gelegenheit gehabt, über sich und seine Gefühlswelt zu sprechen. Stattdessen sagte er, was ihn am meisten beschäftige, sei nicht die Frage, der wievielte Trainer er sei, sondern was diese Situation mit der Mannschaft gemacht habe. Nicht als Trainer sprach der 54-Jährige in diesem Moment, sondern als Therapeut.

Und den hat die Mannschaft von Hertha auch dringend nötig. Zuletzt haben die Spiele in Düsseldorf und zu Hause gegen Werder Bremen mit den frühen Gegentoren und den wilden Aufholjagden gezeigt: Da steht eine komplett desorientierte Elf auf dem Platz, die alle Automatismen verloren hat, sich gleichzeitig aber selbst einen Ruck geben kann. Wobei in den Wochen, bevor Corona den Liga­betrieb stoppte, auch deutlich war, dass dieser Ruck nicht vom Trainer kam, sondern den ehemaligen Führungsspielern, die unter Klinsmann aussortiert worden waren. Alexander Nouri, Herthas Trainer Nummer drei, war dabei eher Problem als Lösung. Das Gleiche galt für Nummern eins und zwei.

Nun also Nummer vier. Die Arbeit, die Bruno Labbadia vor sich hat, ist immens. Er muss den einzelnen Spielern Selbstvertrauen geben, der Mannschaft wieder eine Struktur, Hierarchien nicht zerstören, sondern wieder aufbauen, und erfolgreich soll er auch noch sein. Schließlich kämpft Hertha immer noch gegen den Abstieg. Der Abstand zum Relega­tions­platz beträgt sechs Punkte.

Vor allem menschlich sei er anständig, geradeaus, eine natürliche Autorität

Allerdings hat Labbadia bei seinen letzten Stationen gezeigt, dass er solchen Aufgaben gewachsen ist. Wolfsburg hat er vor dem Abstieg gerettet und in der darauf folgenden Saison in die Europaleague gebracht. Vor allem menschlich, wird ihm seitdem nachgesagt, sei er anständig, geradeaus, eine natürliche Autorität also. Als Trainer und als Therapeut, der er nun sein muss.

Dass er nun schon vor der Sommerpause nach Berlin kam, spricht sowohl für ihn als auch für Manager Michael Preetz. Denn es geht derzeit weniger um einen Feuerwehrmann, der eine Mannschaft vor dem Abstieg retten soll. Vielmehr steht in der Coronapause bereits eine vorgezogene Saisonvorbereitung ins Haus. Das kann in der nächsten Spielzeit, in der Hertha hoch hinaus möchte, von Vorteil sein.

Vorausgesetzt, der Klassenerhalt gelingt. Erst Therapeut, dann Trainer, so lautet das aktuelle Stellenprofil von Bruno Labbadia.

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