Bildungsstreik in München

Studierende sehen sich als Sieger

Die Studierenden an der Ludwig-Maximilians-Universität in München besetzen das Audimax. Sie wollen mindestens bis Dienstag weitermachen, bis zur großen Demonstration.

Besetzte Hochschule: Flugblatt an der Ludwig-Maximilians-Universität. Bild: ap

MÜNCHEN taz | In der Ecke häufen sich Mülltüten mit Abfall, in der letzten Reihe trinkt ein Student schon vormittags Bier. Man könnte bei oberflächlichem Betrachten an diesem Freitagmorgen im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität München durchaus Zeichen der Schluffigkeit finden. Doch müde ist der Studentenprotest von München auch am dritten Tag nicht. Knapp hundert Studenten sind schon am Morgen in den Hörsaal gekommen. Sie diskutieren über die Organisation, darüber, wie sie noch mehr Studenten begeistern können, darüber, wie es weitergeht. Die Debatte dauert mehr als zwei Stunden. "Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass wir in der ,Tagesschau' waren", sagt der Physikstudent Tim Hall, 20, einer der Sprecher.

Am Mittwochabend haben Studenten das Audimax der Uni besetzt. Seitdem hängen an den sonst kahlen Brüstungen der Empore oben im Saal Transparente, die vielseitige Forderungen formulieren: "Bessere Bildung", "Gegen Kürzungen", "Freiheit für Mumia Abu-Jamal". Die Inhalte müsse man in den Debatten noch genauer definieren, das dauere noch, sagt Hall. Die Besetzer wollen sich bunt präsentieren und nicht nur links Politisierte ansprechen. "Wir versuchen, auch die Mainstream-Studenten zu mobilisieren", erklärt Hall.

"Wir versuchen, mit den Studentenprotesten gelassen umzugehen", sagt der Präsident der Uni München, Bernd Huber. Es gebe vorerst keine Pläne, den besetzten Audimax räumen zu lassen. Huber lobt die friedlichen Proteste und meint, er könne die Forderungen der Studenten verstehen. "Die Studienbedingungen sind in vielen Bereichen nicht besonders gut", sagt Huber. Es fehle den Unis vor allem an Personal. "Die akademische Lehre ist massiv unterfinanziert", beschwert sich Huber. In den vergangenen zehn Jahren seien wegen staatlicher Sparprogramme an seiner Uni massiv Stellen gekürzt worden. Die Studiengebühren belasteten die Studenten erheblich, die versprochene Verbesserung der Studienbedingungen sei durch sie nicht möglich. Huber meint: "Mit den Studiengebühren lässt sich gerade einmal die Grundversorgung aufrecht erhalten."

"Wir nehmen die Anliegen, die die Studenten bei ihren Aktionen vorbringen, sehr ernst", verkündete der Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) in einer Pressemitteilung. Vorhandene Spielräume bei der Ausgestaltung des Bologna-Prozesses müssten besser ausgenutzt werden. Große Investitionen kann Heubisch nicht versprechen. Die Steuerkürzungspläne der Berliner Koalition belasten auch den Landeshaushalt.

Die Münchner Besetzer wollen mindestens bis Dienstag weitermachen, bis zur großen Demonstration. Als Sieger sehen sie sich schon jetzt. "Überall an der Universität sprechen die Leute auf einmal über Politik", meint Tim Hall, "das ist schon ein Erfolg."

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