Bester animierter Kurzfilm bei den Oscars: What is love?

„The Windshield Wiper“ gewinnt in der Kategorie Bester animierter Kurzfilm. Er fängt in bunten, kurzen Szenen viele Facetten der Liebe ein.

Alberto Mieglo und Leo Snachez posieren in schwarzen Fracks und Fliegen mit 2 Oscars

Oscar für den Kurzfilm „The Windshield Wiper“: Produzent Leo Sanchez und Regisseur Alberto Mielgo Foto: Mario Anzuoni/reuters

Zwei Menschen stehen vor einem Supermarkt-Kühlregal. Beide halten ihr Smartphone in der einen, den Einkaufskorb in der anderen Hand. Beide greifen nach einer Packung Milch. Sie blicken sich nicht an, swipen auf den Handybildschirmen potenzielle Part­ne­r:in­nen nach links oder rechts. Dabei bemerken sie gar nicht, dass die Person, die sie gerade nach rechts gewischt und somit „gematcht“ haben, direkt neben ihnen steht.

Die Szene ist aus dem diesjährigen Gewinner der Kategorie Bester animierter Kurzfilm der Acadamy Awards. Der spanische Filmemacher und Künstler Alberto Mielgo führte bei der farbgewaltigen Collage moderner Liebe Regie. Er verwebt sowohl optisch als auch thematisch das Digitale mit dem Analogen: Scheinbar banale Chatnachrichten werden vor das Bild eines Satelliten, der über die Erde schwebt, geworfen; der Match aus dem Supermarkt wartet später im Film mit einem Rosenstrauß vor einer graffitibesprühten Eingangstüre zu einem Altbau.

„What is love?“ ist die Eingangsfrage, die ein Mann im Anzug vor seinem vollen Aschenbecher ins Leere stellt. In 15 Minuten öffnet der Filmemacher verschiedene Erzählstränge und reiht Szenen aus unterschiedlichen Beziehungen – oder dem, was Beziehung werden könnte – in Comic- und Videospiel-Ästhetik aneinander.

Romantische Gesten für die Schaufensterpuppe

Statt durch stringente Handlung entsteht der rote Faden in „The Windshield Wiper“ durch die ambivalente Stimmung der kurzen, teils nur wenige Sekunden langen Einstellungen. Erst schaut man einem Paar am Strand beim schweigsamen Hin-und-Herreichen einer Zigarette zu, dann den beiden Tindernden aus dem Supermarkt beim Swipen, schließlich einem Wohnungslosen, wie er vor dem Mode-Schaufenster in einer Großstadt mit einer Puppe spricht, als wolle er ihr Herz zurückgewinnen.


Der Spanier Mielgo, der unter anderem bei einer Folge der 2019 erschienenen Netflix-Serie „Love, Death & Robots“ Regie führte, überzeugt in seinem Kurzfilm durch starke, kontrastreiche Farben und schafft es, die Komplexität und Facetten von Partnerschaft im Jahr 2022 in scheinbar kleinen Momenten und mit wenig Dialog auf die Leinwand zu bringen.

„The Windshield Wiper“. Regie: Alberto Mielgo. Spanien/USA 2021, 15 Min.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de