Berliner Szenen: Zurück zu Ikea
Das Jobangebot
Ich lieg im Bett, es ist nicht weich. Richtig hart sogar ist es, und jetzt mach ich ernst: Ich fahre zu Ikea und hol mir eine Matratzenauflage, so ein dünnes Ding zum Drauflegen aufs Bett. Aber erst mal darf ich sie nicht legen, erst mal muss ich die Auflage lüften, steht in der Bedienungsanleitung: auspacken, ausrollen, Fenster weit auf. Das mit dem Fenster ist eher doof, draußen ist kalt, aber okay. Ich gehe solange ins andere Zimmer, warte da ein paar Stunden, dann noch mal ein paar Stunden, dann noch mal. Ganze drei Tage warte ich, dass sich der Chemiegeruch endlich legt. Er legt sich aber nicht.
„Mist“, denke ich, denn es war schon ein Act, die Auflage quer durch die Stadt zu schleppen. Aber hilft alles nichts; als das Ding auch am vierten Tag noch stinkt, roll ich es wieder zusammen, zurück in die Plastikfolie, und mache mich auf. „Es stinkt“, sag ich am Rückgabetresen. Der Ikea-Mitarbeiter schaut mich ganz komisch an, und kurz überlege ich, ob ich das eleganter hätte formulieren sollen. Aber um die Formulierung geht’s ihm nicht. „Es stinkt“, wiederholt er. „Und woher wissen Sie das?“ – „Na“, sag ich. „Hab ausgepackt und gelüftet. Nur …“
„Sie haben was?“, unterbricht er.
„Ausgepackt“, sag ich noch mal. „Darf man doch, oder?“
„Ja“, sagt er. „Aber …“ Er schaut die Matratze kopfschüttelnd an, dann mich, fast schon bewundernd. „Wow. Sieht aus wie nie aus dem Plastik genommen!“
Ich zucke mit den Achseln. „Ich kann halt gut packen.“
„Sagen Sie mal“, fragt er plötzlich, „brauchen Sie einen Job?“
„Hier? Job? Echt?“
Er nickt.
„Oh“, sag ich und überlege. Aber einen Job brauch ich nicht; ich brauch’ne Matratzenauflage. „Nee“, sag ich also und weise auf mein perfekt gerolltes Paket. „Tut mir leid. Nur dafür’ne andere, bitte. Ohne Geruch.“ Joey Juschka
Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen