Berlinale-Pressekonferenz zu „Undine“: Die Schweigsame

Paula Beer spielt „Undine“ im gleichnamigen Film von Christian Petzold. Auf der Pressekonferenz verliert sie kein Wort und sucht auch nach keinem.

Die Schauspielerin Paula Beer stützt ihren Kopf auf ihre Hand

Paula Beer braucht keine Worte, ihr Blick sagt alles auf der Pressekonferenz der Berlinale Foto: Michele Tantussi/reuters

Gedankenverloren blickt Paula Beer auf einen nicht klar erkennbaren Punkt irgendwo vor sich. Der Blick entgleitet ihr immer wieder. Ob sie mitbekommt, wor­über Christian Petzold gerade redet, ist schwer zu sagen. Der Regisseur beantwortet detailverliebt Fragen zu seinem neuen Film „Undine“, der im Wettbewerb der Berlinale zu sehen ist. Es ist – nach „Transit“ von 2018 – schon der zweite Petzold-Film, in dem Beer in einer Hauptrolle zu sehen ist.

Diesmal spielt die 25-Jährige eine Museumsführerin, die von ihrem Freund (Jacob Matschenz) wegen einer anderen verlassen wird, nur um sich wenige Augenblicke später in einen Industrietaucher (Franz Rogowski) zu verlieben.

In Petzolds fünftem Berlinale-Film trägt Beer den Namen der titelgebenden Sagengestalt Undine. Bereits bei Friedrich de la Motte Fouqué, Hans Christian Andersen und auch in Disneys „Arielle“ taucht die Wassernymphe unterschiedlich interpretiert auf. Ihr tragisches Schicksal ist stets dasselbe: Erst durch die Liebe eines Mannes erhält sie eine sterbliche Seele.

Doch so wenig selbstbestimmt wie im Fall von Disneys Meeresprinzessin ist Petzolds Undine nicht. Die Männer, die ihr untreu werden, straft Undine aus der Sagenwelt, indem sie sie umbringt. Auch Beer droht dem abtrünnigen Exfreund in ihrer Rolle, ihn zu töten.

Von der verlassenen Liebenden zur Heldin

„Frauen stecken meistens nur in Liebeskonstellationen, Männer sind Helden in den verschiedensten Bereichen, Frauen in Hauptrollen müssen vor allem stark und tough sein“, sagte Beer unlängst in einem Interview mit der Berliner Zeitung. Diese Rollenverteilung gelte es aufzubrechen. Als Undine schafft sie es, beides zu vereinen: Sie wird von der verlassenen Liebenden zur Heldin durch Selbstbestimmung.

„Ich erzähle zu viel, oder?“, fragt Petzold plötzlich und wendet sich an Beer – auch ihm muss ihre Geistesabwesenheit aufgefallen sein. Die Fragen bei der Pressekonferenz zum Film gingen auch fast nur an den Regisseur, dessen Arbeit alle Anwesenden zu lieben scheinen. Ein breites Lächeln erscheint auf Beers Gesicht. Undine scheint wieder im Hier und Jetzt aufgetaucht zu sein. Sie schüttelt den Kopf, Worte findet sie keine. Vielleicht sucht sie aber auch nicht danach.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de