Berichterstattung durch Polizei behindert: Gewalt gegen Journalist:innen

Reporter:innen werden in den USA vermehrt von der Polizei attackiert. Gegen sie werden Gummigeschosse und Pfefferspray eingesetzt.

Polizei nimmt Kameramann von CNN fest.

Festgenommen: ein Fernsehteam von CNN, hier der Kameramann Foto: reuters TV

taz | BERLIN | Am vergangenen Montag wurde der Schwarze US-Amerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz von einem weißen Polizisten in der US-Stadt Minneapolis getötet. In zahlreichen US-Städten wird seitdem gegen rassistische Polizeigewalt demonstriert. Die Polizei greift immer härter gegen Demonstrant:innen durch. Mehrfach ist es dabei auch zu Angriffen auf Pressevertreter:innen gekommen.

Das Reporter-Komitee für Pressefreiheit berichtete am Sonntag, dass Journalist:innen, die über die Proteste berichteten, von Polizisten absichtlich mit Gummigeschossen beschossen, mit Pfefferspray und Tränengas besprüht und festgenommen sowie von Demonstrant:innen angegriffen und schikaniert worden seien. Innerhalb weniger Tage soll es in rund 30 Städten zu mindestens 68 Attacken auf Medienschaffende gekommen sein, berichtet Reporter ohne Grenzen.

Der erste dokumentierte Fall, der breite Aufmerksamkeit erlangte, war die Festnahme eines CNN Fernsehteams am vergangenen Freitag in Minneapolis. Der Schwarze Reporter Omar Jimenez berichtete per Live-Schalte, als er plötzlich von mehreren weißen Polizisten umringt und festgenommen wurde.

In dem Video, das die Festnahme zeigt, fragt Jimenez: „Würden Sie mir sagen, warum Sie mich festnehmen? Warum nehmen Sie mich fest?“ Keiner der Polizisten antwortet. Dann wird er abgeführt. Kurz darauf bietet der Kameramann den Einsatzkräften an, den Ort des Geschehens zu verlassen. Auch er erhält keine Antwort. Das gesamte Team wird daraufhin in Gewahrsam genommen. Während der Verhaftungen läuft die Kamera weiter, das Geschehen wird live auf CNN übertragen. Mittlerweile ist das CNN-Team wieder frei. Gründe für die Festnahmen wurden von den Behörden bislang nicht genannt.

Auch Reuters und DW betroffen

Der jüngste bekannt gewordene Fall ereignete sich am vergangenen Samstagabend ebenfalls in Minneapolis. Zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters wurden von Gummigeschossen der Polizei getroffen und verletzt. Die Nachrichtenagentur selbst machte den Vorfall öffentlich. Demnach gingen die Einsatzkräfte mit Gummigeschossen und Tränengas gegen Demonstrant:innen vor, die trotz der verhängten Ausgangssperre auf der Straße waren. Aufnahmen des Kameramanns Julio-Cesar Chavez zeigen einen Polizisten, der direkt mit seiner Waffe auf ihn zielt.

Am Sonntag wurde in Minneapolis zudem ein Team der Deutschen Welle von der Polizei attackiert. Der Reporter Stefan Simons berichtete live vor Ort. In einem Video, dass der Sender auf Twitter teilte, sieht man wie der Reporter von einem Gummigeschoss getroffen wird. Daraufhin dreht er sich um und ruft den Polizisten zu: „Wir sind von den Medien. Hört auf, auf uns zu schießen!“ Später wird dem TV-Team noch mit einer Festnahme gedroht. Simons trug eine Schutzweste mit dem Aufdruck „Presse“.

Auf Twitter berichtete Tyler Blint-Welsh, Reporter beim Wall Street Journal, von einer Attacke durch die Polizei. „Ich habe meine Brille verloren und ich habe brennende Schmerzen an meinem Knöchel, nachdem mich Polizisten mehrfach mit Schutzschildern ins Gesicht geschlagen und zu Boden gedrückt haben“, schreibt er am Sonntagabend. „Ich sitze nur hier und weine. Das ist scheiße.“ Sein von der New Yorker Polizei ausgestellter Presseausweis sei deutlich sichtbar gewesen.

Polizei ist Presse egal

Auch der Presseausweis des Vice-Reporters Michael Anthony Adams war sichtbar, als die Polizei ihm vor einer Tankstelle in Minneapolis Pfefferspray ins Gesicht sprüht und zwingt, sich auf den Boden zu legen. „Ich bin von der Presse“, ruft Adams immer wieder, er hat die Szene auf mehreren Videos festgehalten. „Das ist mir egal“, antwortet ein Polizeibeamter.

Einer der schwersten Fälle ist der Angriff auf die Fotografin Linda Tirado in Minneapolis. Sie wurde von einem Gummigeschoss der Polizei getroffen und verlor dadurch ihr linkes Auge.

Bereits am Samstag hatte „Das Komitee zum Schutz von Journalisten“ die Attacken auf Journalist:innen verurteilt. Diese seien „ein inakzeptabler Versuch der Einschüchterung“. Die Polizei müsse angewiesen werden, keine Journalisten anzugreifen und sicherstellen, dass sie ohne Angst vor Verletzungen über die Proteste berichten können.

Einmal zahlen
.

Fehler im Text entdeckt? Wir freuen uns über einen Hinweis!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben