Bauexperte über knappe Rohstoffe: „Exportverbote sind populistisch“

Holzausfuhren verbieten? Klaus Dosch hält das für eine schlechte Idee. Im Gespräch sagt der Experte für nachhaltiges Bauen, welch positive Seite Knappheit hat.

Das Ende eines Stromkabels

Kupfer als elektrischer Leiter lässt sich absehbar kaum ersetzen Foto: Robert Schmiegelt/Future Image/imago

taz: Herr Dosch, die Bauindustrie warnt, im Sommer müsse sie Baustellen stilllegen. Kommt das Thema „Knappe Rohstoffe“ überraschend?

Klaus Dosch: Bei einigen Rohstoffen kam das überhaupt nicht überraschend, bei anderen schon. Bei Kupfer oder anderen strategischen Metallen habe ich das Thema erwartet. Die Kupferkonzentrationen in neu erschlossenen Minen gehen immer weiter runter. Auf der anderen Seite brauchen wir enorm große Mengen Kupfer. Im Bereich Holz wurde ich aber überrascht. Nach dem Waldsterben der vergangenen Jahre und den Bergen an Holz, die auf den Markt kamen, habe ich hier Knappheiten viel später erwartet.

Brauchen wir trotz der Stoff-Vielfalt eine übergreifende „Rohstoffpolitik“?

Das wäre wenig sinnvoll, man muss sich jeden Stoff einzeln ansehen. Wird er auf einem Markt mit vielen Anbietern gehandelt oder gibt es Monopole, wie etwa für die Seltenen Erden in China? Ist der Stoff leicht zu ersetzen?

Was ist die Antwort auf den Holzmangel – Exportverbote?

Nein, die halte ich für populistisch. Was wird die Antwort von Ländern wie den USA oder China sein, die momentan große Mengen bei uns einkaufen? Verhängen sie Exportverbote für Metalle oder Energierohstoffe? Was machen wir dann? Wir sollten das den Markt regeln lassen, der schafft das.

Wie denn?

Na, wie immer, wenn die Preise für einen Rohstoff durch die Decke gehen und absehbar langfristig hoch bleiben, sehen wir Innovationen. Die Unternehmen ersetzen den Rohstoff. Das ist im Fall der Seltenen Erden in Leuchtmitteln erstaunlich schnell passiert. Das werden wir auch beobachten, wenn die Holzpreise hochgehen. Zum Beispiel lassen sich die viel verwendeten OSB-Platten im Bau aus Restholz oder Hanf herstellen, das muss kein Primärholz aus dem Wald sein.

leitet die Agentur Faktor X in Düren, die Bauherren und Kommunen in Fragen energie- und rohstoffeffizienten Bauens berät.

Okay, Substitution. Was noch?

Müssen wir überhaupt so schrecklich viel neu bauen in Deutschland? Unsere Städte sind doch weitgehend gebaut. Und muss das sein, dass die Wohnfläche pro Kopf immer weiter steigt und viele Ältere ihre großen Wohnungen und Häuser alleine weiter nutzen? Da könnte der Staat die Rahmenbedingungen ändern, zum Beispiel bei der Grunderwerbssteuer. Das ist eine Wohnungsanpassungsverhinderungssteuer! Jedes Mal, wenn ein Haus verkauft wird, fällt diese Steuer von rund 6,5 Prozent an. Es wäre viel sinnvoller, ein Grundstück am Anfang einmal zu besteuern und dann nicht mehr. Dann würden mehr Leute aus ihren Häusern ausziehen und sich nach kleineren Wohnungen umsehen.

In Potsdam wird über einen Plattenbau in der Innenstadt gestritten. Die einen finden es nachhaltig, ihn abzureißen und energieeffizient neu zu bauen. Die anderen, ihn zu sanieren. Wer hat recht?

Schwer zu sagen. Lässt sich aus einem alten Gebäude Wohnraum schaffen, der die nächsten 50 Jahre trägt? Der den Anforderungen an Schallschutz für die Nachbarn genügt, der Flexibilität in den Grundrissen ermöglicht, der sich energetisch sanieren lässt? Bei einigen Plattenbauten lassen sich die Wände aus statischen Gründen nicht schlitzen, das macht neue Leitungen unmöglich. Man muss sich jeweils anschauen, ob Abriss und Neubau oder Sanierung nachhaltiger ist. Auf jeden Fall müssen wir viel mehr auf Kreislaufwirtschaft setzen.

Wenn Neubau, dann mit Recyclingmaterial?

Natürlich. Wir sind hier in Aachen; kurz hinter der Grenze bauen sie in Heerlen in den Niederlanden ein großes Hochhaus neu auf, zu 100 Prozent aus dem Recyclingbeton des alten. Die Niederländer haben nicht so strenge Normen wie wir. In diesem Fall können Rückbau und Neubau sinnvolle Maßnahmen sein. Ob es auch sinnvoll ist, ein Gebäude abzureißen und den Schutt dann in Lärmschutzwänden oder Straßen zu verbauen, das muss man jeweils genau ausrechnen.

Für welche Rohstoffe ist Recycling eine Lösung, um Knappheiten zu begegnen?

Stahl zum Beispiel, davon haben wir genug. Für Holz brauchen wir, wie gesagt, Innovationen zur Verwendung von Altholz. Schwierig wird es beim Kupfer. Von diesem elektrischen Leiter brauchen wir jede Menge, nicht nur im Bau, sondern auch in Windkraftanlagen oder in Elektroautos. Kupfer lässt sich kaum substituieren, weil Aluminium längst nicht so ein guter Leiter ist. Wir werden noch gewaltige Mengen primäres Kupfer aus Bergwerken brauchen, bis wir mit Rezyklaten auskommen. Das wird noch ein ­Problem.

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