Basketballikone LeBron James: All-Star-Game ohne den Besten
Erstmals seit 21 Jahren wird Basketballikone LeBron James nicht für die Partie der Besten nominiert. Das beschreibt die Größe seiner Karriere.
D er König huldigt dem König. „Danke, dass du mir gezeigt hast, dass, selbst wenn Hass auf dich zukommt, du immer noch Liebe und Positivität darin gefunden hast!“ Das war am Dienstagvormittag europäischer Zeit der aktuellste Post, den LeBron James, gern auch einfach „The King“ genannt, anlässlich der NBA-Gedenktage zu Martin Luther King auf Instagram verfasst hatte. Seit einigen Jahren gedenkt die NBA schon des berühmten Bürgerrechtlern und seines Kampfs gegen Rassismus mit speziellen Shirts und TV-Spots im Ligabetrieb. So auch beim Sieg der Los Angeles Lakers gegen die Toronto Raptors (110:93) am Sonntag, zu dem LeBron James 24 Punkte beitrug.
Zum Ende der vielleicht außergewöhnlichsten NBA-Serie verlor er indes kein Wort. Erstmals seit 21 Jahren wurde er am Montag nicht für die Startaufstellung beim All-Star-Spiel der NBA nominiert. An sich sollte das keine große Nachricht sein. Denn Ende Dezember feierte schließlich der Ausnahmekönner, der unzählige Ligarekorde hält, seinen 41. Geburtstag. Hinzu kommt, dass das Ereignis ohne ernstzunehmenden sportlichen Wert ist. Ein Vermarktungsspektakel, bei dem sich zwar die Allerbesten treffen, die gebotene Basketballkunst aber seit Jahren in sehr bescheidenem Rahmen bleibt. Das Augenmerk der Superstars liegt vor allem darauf, sich nicht für die weitaus wichtigeren Ligaspiele zu verletzen.
Um mehr Intensität und Wettbewerb in dieses Event hineinzubekommen, gibt es seit Jahren immer wieder Reformen. Das Turnier am 15. Februar in Los Angeles hat die NBA unter dem zeitgemäßen Titel „USA gegen die Welt“ angekündigt. Es wird zwei US-Teams und eine internationale Auswahl geben, die zunächst jeweils gegeneinander antreten.
Die einschneidenste Neuerung aber ist erst einmal die Abwesenheit von LeBron James. In diesem Jahr bekam der Star der Los Angeles Lakers nur die achtmeisten Stimmen bei der Wahl durch Fans, Journalisten und Spieler in der Western Conference.
Gegen den Zahn der Zeit
Die meisten Stimmen erhielten James’ Teamkollege Luka Doncic, Shai Gilgeous-Alexander (Oklahoma City Thunder), Nikola Jokic (Denver Nuggets), Victor Wembanyama (San Antonio Spurs) sowie Stephen Curry von den Golden State Warriors.
Die Leistungen von LeBron James in dieser Saison sind immer noch mehr als solide. Pro Spiel kam er durchschnittlich auf 22,6 Punkte, 5,9 Rebounds, 6,9 Assists. Das sind stolze Werte, zumal er verletzungsbedingt zu Saisonbeginn längere Zeit pausieren musste.
Bis vor Kurzem fiel es noch manchen Beobachtern schwer, sich vorzustellen, LeBron James’ Karriere könnte endlich sein. Wundersam schien er dem nagenden Zahn der Zeit immer wieder zu entkommen, lief unentwegt zur Höchstform auf. Vor zwei Jahren blickte er etwa im Januar auf zehn Partien zurück, in denen er 35,1 Punkte pro Partie erzielt hatte. Zudem gelangen ihm durchschnittlich 9,6 Rebounds und 7,9 Assists.
Die Negativrekorde, die nun in dieser Saison notiert werden, illustrieren eigentlich auch nur seine Größe. Im Dezember geschah es tatsächlich, dass LeBron James erstmals seit Ewigkeiten unter 10 Punkten blieb. Eine einstellige Ziffer hatte er in diesem Bereich in den 1.297 Begegnungen zuvor nie hinterlassen.
Vor dieser Saison hatte „The King“ zu seinem möglichen Abgang gesagt: „Ich bin definitiv auf der Zielgeraden.“ Im nächsten Satz schuf er sich aber zugleich wieder etwas Freiraum. Er werde keine weiteren zehn Jahre mehr spielen, aber er sei noch bereit, auf höchstem Niveau anzugreifen.
Beim All-Star-Spiel im Februar könnte LeBron James trotzdem noch zum Einsatz kommen, wenn er von den Trainern als Reservist benannt wird. Es empfiehlt sich eh, diesen Ausnahmespieler, der unzählige NBA-Rekorde hält, nicht zu früh abzuschreiben.
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